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Archiv der Kategorie Parodontologie
Rauchen
29.9.2011 von Dr. S. Dilaver.
Parodontitis bei Zigarettenrauchern
In zahlreichen retrospektiven und prospektiven Studien wurde sowohl für Zigaretten- als auch für Zigarren- und Pfeifenrauchen ein erhöhtes Risiko für das Vorhandensein einer chronischen Parodontitis nachgewiesen. Zur weiterführenden Vertiefung in die Literatur sei der Leser auf aktuelle und ausführliche Übersichtsarbeiten verwiesen. Dem Zigarettenrauchen wird in der Ätiopathognese von Paradontalerkrankungen eine Dosis-Wirkungsbeziehung zugeschrieben. Raucher, die mehr als 10 Zigaretten pro Tag rauchen, erleiden ein größeres Voranschreiten der Parodontalerkrankung als Nichtraucher oder ehemalige Raucher mit chronischer Parodontitis. Zur klinischen Erfassung der pro Zeit konsumierten Tabakmenge wurden deshalb in einer Vielzahl von klinischen Studein die Anzahl der pro Tag gerauchten Zigaretten, oder die “pack years” (ein pack year entrspricht dem Konsum von einer Packung oder 20 Zigaretten pro Tag über ein Jahr) in der Anamnese festgehalten,obwohl diese Angaben relativ ungenau sind. Kürzlich wurde deshalb eine neue Messgröße zur Erfassung des Tabakkonsums von Dietrich und Hoffmann eingeführt. Der sogenannte Comprehesive Smoking Index(CSI) erlaubt es, durch das Einbeziehen der Anzahl täglich gerauchter Zigaretten sowie der verstrichenen Zeit nach dem Rauchstopp bei ehemaligen Rauchern in Zusammenhang mit der errechneten Halbwertszeit eine Abschätzung der zu erwartenden Dauer der parodontalen Geweberegeneration zu vollziehen. Raucher weisen im Vergleich zu Nichtrauchern folgende Verschlechterungen des parodontalen Befundes auf:
• höhere parodontale Sondierungswerte und eine größere Anzahl von Stellen mit Sondierungstiefen von mehr als 3mm,
• mehr Attachmentverlust und mehr gingivale Rezessionen,
• mehr Alveolarknochenverlust,
• mehr Zahnverlust,
• weniger Anzeichen von Gingivitis und weniger Bluten auf Sondieren und
• mehr furkationsbefallene Zähne.
Das typische klinische Bild der Parodontitis eines Rauchers zeigt eine relativ blasse marginale Gingiva mit reduzierten Entzündungszeichen sowie das Vorhandensein von parodontalen Sondierungstiefen mit mehr als 4 mm, gehäuft an interproximalen Stellen, die aber eine geringe Blutungsneigung auf paradontales Sondieren zeigen.
Pfeifen- und Zigarrenrauchen
Das Zigarettenrauchen ist in Bezug auf die parodontale Schädigung bislang am Besten dokumentiert worden. Obwohl frühere Untersuchungen zunächst keine Unterschiede zwischen Nichtrauchern und Pfeifen- oder Zigarrenrauchern feststellen konnten, wurde bei Pfeifen- und Zigarrenrauchern in Langzeitstudien über 20 Jahre dennoch ein erhöhtes Risiko für Alveolarknochenrückgang und Zahnverlust ermittelt.
Passivrauchen
Nur etwa 30% des Tabakprodukten erzeugten Rauches gelangen in den Atmungstrakt eines Rauchers. Der größere Teil verbleibt schwebend in der Umgebungsluft, sodass Mitmenschen im gleichen Raum unvermeidlich schädliche Stoffe einatmen. Ein Passivraucher nimmt bis zu einem Drittel des Nikotins einer gerauchten Zigarette auf. Eine Untersuchung der Einwirkung von Passivrauchen auf das Parodont wurde mit 273 japanischen Arbeitern durchgeführt. Anhand der parodontalen Sondierungstiefen und des Attachmentniveaus, sowie der Messung des Nikotinsstoffwechselproduktes Cotinin im Speichel, konnte festgestellt werden, dass Raucher und Passivraucher je mit einem 5-fach erhöhten Risiko signifikant häufiger Parodontitis hatten als Nichtraucher. Diese Resultate lassen die Schlussfolgerung zu, dass Passivrauchen ein erhöhtes Risiko für das Entstehen einer chronischen Parodontis darstellen kann.
Pathogenetische Aspekte für Parodontitiden bei Rauchern
Nikotin
Nikotin wird an der Wurzeloberfläche abgelagert und ist im Serum, Speichel und im Sulkusfluid bei Rauchern erhöht. Für den Nachweis des Nikotins in den Körperflüssigkeiten eignet sich das Cotinin, ein Metabolit von Nikotin mit längerer Halbwertszeit. Nikotin stimuliert einerseits im Gehirn angenehme Reaktionen, die zu einem Suchtverhalten führen, ohne aber einen direkten Schaden auszulösen. Anderseits scheint Nikotin für einen großen Teil derparodontalen Schäden verantwortlich zu sein. Da aber generell das Rauchen, bzw. die zahlreichen Inhaltsstoffe des Tabakrauchs einen vielfältigen Einfluss auf die Gewebe, die mikrobielle Zusammensetzung oder das Immunsystem haben, können die in vitro gezeigten Effekte nicht ohne Weiteres auf die Situation in-vivo übertragen werden. Es kann im Zusammenhang mit den schädigen Folgen des Tabkkonsums vielfach nicht klar von ausschließlichen Wirkungen durch Nikotin oder Cotinin gesprochen werden.
Oxidative Mechanismen
Durch das Rauchen einer Zigarette werden freie Radikale, sogenannte “Reactive Oxygene Species”(ROS). d.h. chemische Verbindungen mit ungepaarten Elektronen, durch den Wirtsorganismus freigesetzt. Beispielweise sind die Hydroxyl- (HO-) und Peroxylradikale (HOO-) für zahlreiche Gewebeveränderungen verantwortlich, indem sie die Wirts-DNA zerstören, Lipidperoxidation der Zellmembran verursachen, endotheliale Zellen schädigen und das Wachstum der glatten Gefäßmuskulatur (VSMC) induzieren. Unter physiologischen Bedingungen herrscht im menschlichen Organismus ein Gleichgewicht zwischen oxidativem Stress. Dies wird auch durch Passivrauchen, wie z.B. bei Kindern im Haushalt rauchender Eltern induziert. Oxidativer Stress äußert sich , neben den potenziellen Effekten auf das Parodont, in einer Vielzahl weiterer krankhafter Prozesse, wobei besonders seine Rolle bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen unbestritten ist.
Immunologische Apsekte
Die Immunantwort des Wirts auf den bakteriellen Reiz ist für die überwiegende Mehrzahl der parodontalen Schäden verantwortlich. Nikotin und andere Bestandteile des Tabakrauchs beeinflussen die Abwehrvorgänge des befallenen Organismus und tragen so weiter zur parodontalen Destruktion bei. Polymorphkernige neutrophile Granulozyten (PMN) spielen eine zentrale Rolle bei der primären antibakteriellen entzündlichen Abwehr. Wichtige Eigenschaften dieser Leukozyten sind die Fähigkeit zu Chemotaxis, die Phagozytose und gegebenfalls die Vernichtung von Bakterien, Pilzen oder bakteriellen Produkten. Die Anzahl und Vitalität an PMN variiert zwischen Nichtrauchergruppen und Rauchergruppen. Darüber hinaus ist die Fähigkeit zur Phagozytose in Abhängigkeit von der Anzahl gerauchter Zigaretten herabgesetzt. Fibroblastenfunktion bilden sezernieren Kollagen. Eine physiolohische Fibroblastenfunktin spielt eine zentrale Rolle für den Erhalt des parodontalen Gewebes und die Wundheilung nach chirurgischer oder konservativer Therapie. Nikotin wird an der Wurzeloberfläche abgelagert oder im Sulkusfluid ausgeschieden. Nikotin zeigte in mehreren Untersuchungen einen deutlichen dosisabhängigen zytotoxischen Effekt auf unterschiedliche Fibroblastenpopulationen und hemmt die Proteinsynthese im parodontalen Gewebe. Bei Rauchern wurde im Vergleich zu Nichtrauchern ein geringer Mineralgehalt des Knochens festgestellt und ein erhöhter Kalziumgehalt in Speichel gemessen.
Parodontaltherapie bei Rauchern
Nicht-chirurgische und konventionell chirurgische Therapie der Parodontitis
Zahlreiche klinische Studien der vergangenen zehn Jahre haben deutlich gezeigt, dass sowohl das Scaling und Wurzelglätten als konservative als auch die chirurgische Parodontaltherapie bei Rauchern weniger erfolgreich sind als bei Nichtrauchern. Raucher haben im Vergleich zu Nichtrauchern weniger “Taschenschrumpfung”, sowie weniger klinischen Attachmentgewinn. Die Wundheilung nach einem parodontalchirurgischen Eingriff läuft allgemein verzögert ab. Durch die Behandlung der chronischen Parodontitis werden bei Nichtrauchern, Rauchern und Ex- Rauchern die Sonierungstiefen allgemein reduziert. Der Unterschied des Therapieerfolges zwischen Rauchern und NIchtrauchern macht sich indes bei Stellen mit initial größeren Sondierungswerten deutlischer bemerkbar. Bei den Rauchergruppen wurden die Sondierungstiefen um 1,75mm, bei den Nichtrauchern um 2,23 mm reduziert.
Regenerative Parodontaltherapie
Im Rahmen parodontalchirurgischer Operationen bestehen heute vielfältige Möglichkeiten zur Unterstützung der Regeneration der parodontalen Gewebe. Dies kann durch die Applikation von Schmelzmatrixproteinen, durch autologen Knochen oder durch verschiedene Knochenersatzmaterialien im Rahmen einer gesteuerten Gewebegeneration erfolgen. In der Literatur besteht weitgehende Übereinstimmung darüber, dass regenerative Therapievarianten bei rauchenden Patienten deutlich schlechtere Ergebnisse aufweisen, als wenn diese bei Nichtrauchern durchgeführt werden.
Risikobeurteilung und professionell unterstützende Parodontaltherapie
Im Anschluss an eine erfolgreich abgeschlossene Parodontalbehandlung ist die Durchführung einer parodontalen Risikobeurteilung zur Bestimmung des zeitlichen Intervalls der professionell unterstützenden Parodontaltherapie angezeigt. Die Risikobeurteilun g ist gut bekannt und berücksichtigt:
•Bluten und Sondieren,
•Anzahl Stellen mit einer Sondierungstiefe von mehr als 4 mm,
•Alveolarknochenverlust,
•systemische Faktoren (z.B. Diabetes mellitus) und
•Umweltfaktoren.
Raucher mit einem Tabakakonsum von 20 Zigaretten und mehr pro Tag werden in der parodontalen Risikobeurteilung in der hohen Risikokategorie eingestuft. Für solche Raucher wird zur klinischen Betreuung ein Recall-Intervall von 3 Monaten empfohlen.
Tabakprävention und Entwöhnung
Die Tabakentwöhnung ist neben einer optimalen Plauqekontrolle zur wichtigsten Maßnahme bei der Behandlung von Parodontalerkrankungen geworden. Im Gegensatz zur allgemeinmedizinischen Praxis sieht das zahnmedizinische Praxisteam seine Patienten regelmäßig und kann sie deshalb durch mehrere Interventionen zum Tabakentzug bewegen. Die Tabakabhängigkeit besteht aus einer physischen, wie auch einer psychischen Abhängigkeit. Daher ist die Kombination einer medikamentösen Therapie zur Behandlung der phsychischen Entzugssymptome empfehlenswert. Für die Anwendung zur Tabak- Kurzinvention in der zahnmedizinischen Praxis scheint eine “Kurzform” das sogenannte “Brief Motivational Interviewing” (BMI), geeignet zu sein. Die Nikotinsubstitution ist die Therapie der Wahl für das zahnmedizinische Praxisteam, da die beiden rezeptpflichtigen Pharmazeutika Vareniclin und Bupropion SR der Verordnung durch Ärzte vorbehalten sind.
Quelle: “Risikokompendium Parodontitis 2010″
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Parodontitis - Vorbeugen - Früherkennung und Behandlung
11.8.2009 von Dr. S. Dilaver.
Parodontitis - die schleichende Gefahr
War früher vor allem die Karies Hauptursache für Zahnverlust, so ist es heute die Parodontitis (im Volksmunde Parodontose genannt) - eine entzündliche Erkrankung des Zahnhalteapparates - die zum Zahnverlust führen kann. Zahlen aus einer groß angelegten wissenschaftlichen Untersuchung, der Deutschen Mundgesundheitsstudie IV aus dem Jahr 2006, belegten, dass die Parodontitis eine weit verbreitete Krankheit ist, Experten sprechen sogar von einer Volkskrankheit: 75 Prozent der Bevölkerung über 35 Jahre haben Parodontitis, 40 Prozent der Bevölkerung zeigen Symptome einer mittelschweren Erkrankung und 6 Prozent der 35 - bis 44 - Jährigen, 18 Prozent der Senioren im Alter von 65 bis 74 Jahren leiden gar an einer schweren Erkrankungsform. Das Heimtückische an der Erkrankung ist, dass sie meist ohne Schmerzen schleichend fortschreitet und oftmals zunächst nicht vom Patienten erkannt wird. Gefährlich wird es dadurch, dass eine unbehandelte Parodontitis zum Teil schwerwiegende Auswirkungen auf die Allgemeingesundheit haben kann.
Zu wenig ist in der Bevölkerung über die Parodontitis, ihre Folgen und Möglichkeiten der der Vorbeugung bekannt. Hier soll dieser Beitrag Abhilfe schaffen, Wissenslücken schließen und praktische Informationen geben, die es leichter machen, Parodontitis rechtzeitig zu erkennen und erfolgreich zu behandeln.
Was ist eine Parodontitis?
Bei einer Parodontitis handelt es sich um eine Entzündung des Zahnhalteapparates (Parodontium). Nicht der Zahn ist also krank, sondern viel mehr das Gewebe, das ihn im Kieferknochen verankert und ernährt. Die Parodontitis zerstört die Fasern, die den Zahn festhalten; setzt sich der Prozess ungehindert fort, lockert sich der Zahn und fällt schließlich aus. In den meisten Fällen schreitet die Parodontitis nur langsam fort (chronische parodontitis), manchmal kann es aber schon im Jugendlichen Alter zu einem rasch sich entwickelnden Gewebeverlust kommen (aggressive Parodontitis).
Ursachen für die Entstehung einer Parodontitis
In der Mundhöhle gibt es mehr als 600 unterschiedliche Bakterien, die meisten von ihnen harmlose natürliche Bewohner des Mundes, die unsere Gesundheit nicht gefährden. Einige wenige jedoch greifen aktiv durch Enzyme und Giftstoffe des Zahnfleisch an und können zu deutlich sichtbaren Entzündungen führen. Wirklich gefährlich können diese Bakterien jedoch nur dann werden, wenn sie sich - meist durch nachlässiges Zahnputzen begünstigt - in großer Zahl als zäh anhaftender Belag auf den Zahnoberfläschen festgesetzt haben. Die nun einsetztende Entzündung ist äußerlich an einer Schwellung und Blutungsneigung des Zahnfleischs gut zu erkennen. Sie reicht tief unter das Zahnfleisch bis in den Bereich des Kieferknochens hinein und wird als Gingivitis bezeichnet. Werden die bakteriellen Beläge nachfolgend nicht rasch durch gründliches Zähnputzen entfernt, kann die Entzündung zu einem nicht wieder umkehrbaren Verlust von Zahnhaltefasern und Teilen des Kieferknochens führen und wird dann als Parodontitis bezeichnet. Beläge, die ungestört längere Zeit auf den Zähnen haften bleiben, können darüber hinaus zu Zahnstein mineralisieren. Dieser wird dabei so fest, dass er nicht mehr mir der Zahnbürste wegggeputzt, sondern nur noch vom Zahnarzt und seinen Assistenzkräften mit speziellen Reinigungsgeräten vollständig entfernt werden kann.
Verlauf einer Parodontitis
- Bildung von bakerieller Plaque am Zahn und am umgebenden Zahnfleisch
- Infektion
- Entzündung an Zahnfleisch und Zahnhalteapparat
- Zahnfleischtaschenbildung
- Gewebeabbau
Die Rolle des Immunsystems
Der Krankheitsverlauf ist individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt. Eine entscheidende Rolle spielt das Immunsystem des Körpers. Intakte Abwehrkräfte schützen sehr wirksam gegen aggresive Mundhöhlenbakterien. Doch jede Schwächung des Immunsystems kann zu einer starken Zunahme bakterieller Plaque am Zahn und damit zu einer schädlichen Entzündungsreaktion führen. Risikofaktoren, die die natürlichen Schutzmechanismen des Körpers beeinträchtigen können, sind das Rauchen, ein unbehandelter Diabetes mellitus (Zuckererkrankung), Stress, Übergewicht und Mangel- bzw. Fehlernährung. Aber auch hormonelle Schwankungen (wie z.B. in der Pubertät, Schwangerschaft oder in den Wechseljahren) und eine Reihe vererbter Funktionsstörungen können die körperlichen Abwehrkräfte schwächen und so eine Parodontitiserkrankung fördern.
Risikofaktoren für eine Parodontitis
- Unzureichende Mundhygiene
- Rauchen
- Stress
- Hormonelle Veränderungen
- Unbehandelter Diabetes mellitus
- Übergewicht
- Mangel- bzw. Fehlernährung
- Übermäßiger Alkoholkonsum
- Vererbte Funktiosstörungen
Woran erkennt man eine Parodontitis?
Obwohl eine Parodontitis meist lange Zeit schmerzlos verläuft, gibt es dennoch einige Warnsignale, die auf eine Erkrankung des Zahnhalteapparates hindeuten:
- Zahnfleischbluten (beim Zähneputzen, oder auch spontan)
- Rötungen und Schwellungen des Zahnfleischs
- Rückgang vom Zahnfleischs
- Empfindliche Zahnhälse
- Dauerhafter Mundgeruch oder fortwährend unangenehmer Geschmack im Mund
- Zahnfleischtaschen
- Änderung der Zahnstellung
- Länger werdende, gelockerte Zähne (im späteren Erkrankungsstadium)
- Eiteraustritt am Zahnfleischrand bei Massieren des Zahnfleischs (im späteren Erkrankungsstadium)
Die gesicherte Diagnose einer Parodontitis kann letztendlich nur der Zahnarzt stellen. Viele Menschen messen Zahnfleischbluten beim täglichen Zähneputzen keine Bedeutung bei - ein fataler Irrtum, denn werden die Frühsymptome nicht behandelt, schreitet die Erkrankung voran und kann zu einem Gesundheitsrisiko für den ganzen Körper werden. Die Deutsche Gesellschaft für Parodontologie schätzt, dass ca. 30 Mio. Erkrankungsfälle in Deutschland bislang unbehandelt geblieben sind. Je früher eine Parodontitis erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Schon mit einfachen Mitteln lässt sích die Erkrankung stoppen. Auch im fortgeschrittenen Stadium ist die Parodontitis noch erfolgreich behandelbar. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen durch den Zahnarzt sind deshalb sehr wichtig.
Diagnostik beim Zahnarzt
Mit einem speziellen Messinstrument, der Parodontalsonde, kann der Zahnarzt weitgehend schmerzfrei die Blutungsneigung des Zahnfleischs feststellen und die Tiefe von Zahnfleischtaschen messen. Bei dieser Methode - Erhebung des Parodontalen Sceening Index (PSI) - wird des Gebiss in sechs verschiedene Abschnitte eingeteilt und jeder Zahn mit seinem umliegenden Gewebe systematisch mit der Sonde untersucht. Die Befunde werden in Codes von 0 bis 4 zusammengefasst. Code 0 bedeutet, dass das Zahnfleisch gesund ist, bei Code 1 und 2 liegt eine Zahnfleischentzündung (Gingivitis) vor, Code 3 und 4 stehen für flache und tiefe Zahnfleischtaschen und deuten auf eine mittelschwere bis schwere Parodontitis-Erkrankung hin. Für jeden der sechs Abschnitte ist jeweils der höchste Code maßgebend. Zeigt der PSI parodontale Probleme, untersucht der Zahnarzt den Zahnhalteapparat gründlich und erhebt den sog. Parodontalstatus. Dabei werden Röntgenaufnahmen gemacht, die zeigen, ob sich der Kiefer zurückgebildet hat. Die Untersuchung klärt, welche Form der Parodontitis letzendlich vorliegt. Aufgrund der Diagnose wird dann gezielt die behandlung eingeleitet. Ergibt die zahnärztliche Untersuchung eine schwere Form der Parodontitis, kann man zusätzlich einen Bakterientest durchführen. Dieser Test gibt Aufschluss darüber, ob in den Zahnfleischtaschen resistente Keime oder ungünstige Bakterienkombinationen vorhanden sind. Wenn ja, kann zusätzlich eine gezielte Antibiotika-Therapie oder die Desinfektion der Zahnfleischtaschen mit einer antibakteriellen Spüllösung erforderlich sein. Der Bakterientest wird auch schon bei mittelschweren Parodontitisformen durchgeführt, wenn gleichzeitig Allgemeinerkrankungen vorliegen oder die Abwehrkräfte geschwächt sind.
Einfluss der Parodontitis auf die Allgemeingesundheit
Parodontal kranke Zähne können eine gefährliche Eintrittspforte für schädliche Bakterien in den Körper werden. Gelangen diese Keime in die Blutbahn, können sie unter Umständen die Entstehung chronisch-entzündlicher Erkrankung begünstigen. So zeigen wissenschaftliche Untersuchungen, dass eine unbehandelte bleibende Parodontitis auch ein Risikofaktor für die Entstehung von Herz- bzw. Herz-Kreislauferkrankungen (allen voran Herzinfakt und Endokarditis), Atemwegserkrankungen (z.B. Lungenerkrankung) und Diabetes mellitus sein kann. Bei bereits vorgeschädigten Blutgefäßen verstärkt die Parodontitis das Risiko für einen Schlaganfall. Außerdem kann eine unbehandelte Parodontitis zu Komplikationen in der Schwangerschaft führen. Es werden auch wechselwirkungen zwischen Parodontitis und Osteoporose (Knochenschwund), rheumatoider Arthritis, Alzheimer sowei der Entstehung von Krebserkrankungen diskutiert.
Diabetes und Parodontitis
Die Wechselbeziehung zwischen Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) und Parodontitis werden bereits seit vielen Jahren untersucht. Inzwischen belegen viele Studien, dass das verstärkte Auftreten von Entzündungen am Zahnhalteapparat nicht nur eine der vielfältigen Komplikationen des Diabetes mellitus darstellt, sondern das umgekehrt eine unbehandelte Parodontitis die Einstellung der Blutzuckerspiegels massiv erschwert und somit die Folgen des Diabetes verschlimmern kann. Menschen, bei denen der Hausarzt eine Zuckerkrankheit festgestellt hat, sollten daher im Rahmen der Behandlung auch unbedingt den Zahnarzt aufsuchen. Diabetiker sollen besonders gewissenhaft auf ihre Mundgesundheit achten und die zahnärztlichen Vorsorgeuntersuchungen zweimal im Jahr wahrnehmen.
Schwangerschaft und Parodontitis
Frauen sind in der Schwangerschaft anfälliger für Entzündungen des Zahnfleischs. Eine schon vor der Schwangerschaft bestehende leichte Gingivitis kann sich zu einer heftigen Schwangerschaftsgingivitis ausweiten. Um dies zu vermeiden, sollten Zahnfleischentzündungen am besten schon vor einer Schwangerschaft therapiert und ausgeheilt sein. In der Schwangerschaft ist eine gründliche häusliche Mundhygiene besonders wichtig, um vor Emtzündungen geschützt zu werden. Liegt bei einer Schwangeren eine schwere Form der Parodontitis vor, so erhöht sich laut wissenschaftlicher Erkenntnis das Risiko für Komplikationen in der Schwangerschaft. In der Wissenschaft wird diskutiert, on parodontitisauslösende Bakterien, wenn sie in die Blutbahn gelangen, durch frühzeitige Stimulation der Wehen eine Frühgeburt auslösen können. Sollte bei der werdenden Mutter eine Parodontitis festgestellt werden, sollte sie in jedem Fall - in Absprache mit dem Frauenarzt - behandelt werden.
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Parodontitis beeinflusst die Gesundheit
31.3.2009 von Dr. S. Dilaver.
Die Entzündungen im Mundraum können sich auf den ganzen Körper auswirken. So haben DIABETIKER nicht nur ein höheres Parodontitisrisiko, sondern umgekehrt kann die Parodontitits auch die Diabetes verschlimmern. Untersuchungen zufolge kann Parodontitis auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Weiterhin gibt es Hinweise auf Zusammenhänge der Parodontitis mit Frühgeburten und geringerem Geburtsgewicht bei Neugeborenen.
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Zahnfleischerkrankungen Parodontitis (Parodontose)
3.3.2009 von Dr. S. Dilaver.
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