Archive for Februar, 2014

Professionelle Zahnreinigung

Montag, Februar 24th, 2014

Professor Dr. Thomas Attin, Direktor der Klinik für Präventivzahnmedizin, Parodontologie und Kariologie am Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Universität Zürich, berichtet im Interview mit proDente über versteckte Beläge und die professionelle Zahnreinigung als wichtiger Teil der Vorsorge.

Warum sind einige Beläge auf den Zähnen nicht sichtbar?

Beläge in Form von farbigen Zahnauflagerungen, die z.B. bei häufigem Konsum von Tabak, Tee, Kaffee oder Rotwein entstehen, werden vom Patienten meist selbst wahrgenommen. Bakterielle Beläge sind jedoch erst ab einer bestimmten Dicke mit bloßem Auge sichtbar. Ist diese Schicht noch sehr dünn, helfen Anfärbelösungen, sogenannte Revelatoren, den Belag sichtbar zu machen. Die bakteriellen Zahnbeläge können aber auch auf den Wurzeloberflächen vorliegen, wenn infolge einer Zahnfleischerkrankung (Gingivitis oder Parodontitis) ein Spalt zwischen Zahn und Zahnfleisch entstanden ist. Diese Beläge kann der Patient nicht erkennen.

Bakterien sammeln sich gerne in Schlupfwinkeln. Wo befinden sich solche Stellen in meinem Mund?

Es gibt typische schwer zugängliche Stellen für bakterielle Zahnbeläge, die bei jedem Patienten vorliegen. Dazu zählen die Grübchen auf den Kauflächen der Zähne (Fissuren), der Übergang zwischen Zahn und Zahnfleisch (Zahnhals) sowie die Zahnzwischenräume. Darüber hinaus finden sich oftmals Schlupfwinkel für Bakterien an den Rändern von Füllungen und künstlichen Kronen, unter Brückenzwischengliedern oder an festsitzenden kieferorthopädischen Apparaturen wie Zahnspangen. Zudem bieten vorhandene Zahnfleischtaschen Nischen, die von Bakterien leicht besiedelt werden können. Insbesondere die Gabelung der Wurzeln der Seitenzähne stellt dann einen Schlupfwinkel dar, der vom Patienten oftmals nur schwierig zu reinigen ist.

Wie schnell siedeln sich Bakterien im Mund an?

Unmittelbar nach der Reinigung der Zahnoberflächen kommt es zur Wiederbesiedelung mit Bakterien. Zunächst lagert sich ein dünner, fest haftender Speichelfilm auf der Zahnoberfläche ab. Hier können sich die Bakterien aus dem Speichel über bestimmte Bindungsstellen ansiedeln. Von dem Moment an kommt es zu einem kontinuierlichen Wachstum des Bakterienrasens. Bisher ist jedoch nicht genau geklärt, ab welcher Dicke dieser Bakterienfilm im Hinblick auf eine Kariesentstehung kritisch ist. Je nach Patient kann die Zusammensetzung des bakteriellen Belags sehr unterschiedlich sein, sodass im Einzelfall schon geringe Bakterienansammlungen Probleme bereiten können. Dies gilt besonders für bestimmte Formen von Zahnfleischerkrankungen, bei denen Stoffwechselprodukte bestimmter Bakterien oftmals eine Entzündung auslösen.

Wann wird ein Ultraschallgerät eingesetzt und wann kommt ein Pulverstrahlgerät (Air Flow) zum Einsatz?

Mit einem Ultraschallgerät können Zahnstein und Bakterienbelag entfernt werden. Um einer Hitzeentwicklung an der Zahnoberfläche entgegenzuwirken, ist dabei immer eine ausreichende Kühlung mit einer Flüssigkeit erforderlich. Bestimmte Ultraschallgeräte erlauben auch den Einsatz unterhalb des Zahnfleisches zur Reinigung der Wurzeloberflächen. Pulverstrahlgeräte können zur Entfernung von schwer zu beseitigenden farbigen Zahnauflagerungen (Tee, Kaffee, Nikotin usw.) verwendet werden. Diese Beläge lassen sich aber auch mit einer rotierenden Bürste oder einem Gummikelch unter Zuhilfenahme von speziellen Pasten beseitigen. Aufgrund der Härte der Pulverstrahlpartikel sollten die üblichen Pulver (Natrium-Bikarbonat) nicht direkt auf das Zahnfleisch auftreffen, da es sonst zu Verletzungen kommen kann. Auch kann der unsachgemäße Gebrauch dieser Geräte zu einem Abtrag von Zahnhartsubstanz führen. Spezielle Pulver aus weichen Glyzinpartikeln erlauben die Anwendung unterhalb des Zahnfleisches zur Entfernung des weichen Bakterienbelags (Plaque) auf den Wurzeloberflächen.

Welche Pasten werden bei einer professionellen Zahnreinigung verwendet und zu welchem Zweck?

Prophylaxepasten werden eingesetzt, um nach den ersten Schritten einer Zahnreinigung die verbliebenen Zahnbeläge zu entfernen, eventuell vorhandene Verfärbungen der Zähne zu beseitigen und die bearbeiteten Oberflächen abschließend zu polieren. Eine optimale Prophylaxepaste sollte daher eine hohe Reinigungs- und Polierwirkung bei einer möglichst geringen Abrasivität haben. Abravisität bezeichnet hierbei die abtragende Wirkung der Putzkörper. Die Schleifwirkung der zur Entfernung von Verfärbungen eingesetzten Pasten ist meist deutlich höher als die von herkömmlichen Zahnpasten. Daher sollten diese Pasten nur gezielt bei vorliegenden Verfärbungen zum Einsatz kommen, um das Risiko eines übermäßigen Abtrags an den Zahnoberflächen zu minimieren.

Was macht der Fluoridlack?

Maßnahmen zur Fluoridierung verfolgen in erster Linie zwei Ziele:
Sie fördern das Einlagern von Mineralien (Kalzium und Phosphat) aus dem Speichel in die durch Karies oder Säureeinwirkung angegriffene Zahnoberfläche. Darüber hinaus erhöhen sie die Säureresistenz der Zähne durch den Einbau von Fluorid in das Zahnmineral und die Ausbildung einer Kalzium-Fluorid-Deckschicht auf den Zahnoberflächen. Aus dieser Deckschicht wird über einen längeren Zeitraum Fluorid zur Verfügung gestellt, das einen sofortigen Wiedereinbau von Zahnmineral bei einem Säureangriff unterstützt. Fluoridlacke weisen dafür eine bis zu 50-fach höhere Fluoridkonzentration als Zahnpasten auf.

Wer führt die PZR durch?

In Deutschland dürfen folgende Berufsgruppen PZRs durchführen: Zahnärzte und Zahnärztinnen, Dentalhygieniker/-innen (DH), Zahnnmedizinische Prophylaxeassistent(inn)en (ZMP) oder Zahnmedizinische Fachassistent(inn)en (ZMF).

Gibt es dafür eine entsprechende Ausbildung?

Für diese Berufsgruppen gibt es entsprechende Fortbildungsordnungen. So kann eine Zahnmedizinische Fachangestellte (frühere Bezeichnung: Zahnarzthelferin) nach Erfüllung bestimmter Voraussetzungen die Ausbildung zur ZMF oder ZMP absolvieren. Darauf aufbauend ist die Fortbildung zur Dentalhygienikerin möglich.

Was kostet eine PZR und wie erklären sich die Preisunterschiede?

Die Kosten für den Patienten liegen zwischen 50 und 150 €. Diese Preisspanne lässt sich mit einem unterschiedlichen Aufwand bei der Behandlung begründen. So ist z.B. in einem intakten Gebiss von einem höheren Aufwand auszugehen als bei einem Gebiss, das durch einen herausnehmbaren Zahnersatz ergänzt wurde. Eine Preisdifferenzierung hängt darüber hinaus auch vom Schweregrad der vorliegenden Erkrankung und dem damit verbundenen höheren zeitlichen Aufwand der professionellen Zahnreinigung ab.

Wie häufig sollte ich eine PZR durchführen lassen?

Studien haben eindrucksvoll belegt, dass regelmäßig durchgeführte PZRs das Risiko erheblich reduzieren, an Karies oder einer Parodontitis zu erkranken. Daher sollten auch gesunde Patienten oder Patienten mit einem niedrigen Risiko für Karies- oder Parodontalerkrankungen 1–2-mal pro Jahr eine PZR durchführen lassen. Für Patienten mit einem hohen Erkrankungsrisiko oder bei Vorliegen tiefer, schwer zu reinigender Zahnfleischtaschen kann eine PZR durchaus bis zu 4- oder 6-mal pro Jahr sinnvoll sein. Professionelle Zahnreinigungen sind auch Bestandteil einer Einstiegstherapie bei der Behandlung einer Parodontalerkankung, an die sich weiterführende Behandlungsmaßnahmen anschließen können. Nach erfolgreicher Parodontalbehandlung ist die PZR ein wesentliches Element der unterstützenden Nachsorge. Auch ist eine PZR am Anfang einer zahnärztlichen Untersuchung bzw. Behandlung empfehlenswert, um eine optimale Diagnostik und Therapie zu ermöglichen.

Keramik im Himmel und auf Erden

Montag, Februar 24th, 2014

Ob auf dem Kaffeetisch oder im Bad – aus dem Alltag ist das Material Keramik nicht mehr wegzudenken. Doch der Werkstoff kann noch viel mehr: Dank ihrer herausragenden Eigenschaften sind spezielle Hightech-Keramiken optimal geeignet für den Einsatz in Technik, Luft- und Raumfahrt und in der Zahmedizin.

Extreme Härte, hohe Abriebfestigkeit, Formstabilität und Beständigkeit gegen chemische Einflüsse aller Art – damit sticht Keramik andere Werkstoffe aus. Ob Antriebssysteme für die Raumfahrt, Gehäuse für superschnelle Chips, künstliche Hüftgelenke oder eben Zahnersatz: Die innovative Hightech-Keramikkommt überall dort zum Einsatz, wo Metalle aufgrund ihrer spezifischen Eigenschaften an ihre Grenzen stoßen.

Keramik im Himmel und auf Erden

Montag, Februar 24th, 2014

Verblenden für den guten Eindruck

Für eine perfekte Optik werden Kronen im sichtbaren Bereich des Gebisses mit Keramik verblendet“: Die lichtdurchlässige Silikatkeramik wird auf den Kronenkern – aus Metall oder hochfester Keramikgeschichtet und aufgebrannt. Allerdings kann es zu Verfärbungen am Zahnfleischrand kommen.

Keramik im Himmel und auf Erden

Montag, Februar 24th, 2014

Herstellung im Labor oder in der Praxis

„Hergestellt wird keramischer Zahnersatzim Dentallaboroder auch direkt in der Praxis“, erläutert Dr. Ahlers die unterschiedlichen Verfahren. Der Werkstoff kann gepresst, infiltriert, gesintert, gefräst und geschliffen werden.

Bei klassischer Herstellungtechnik wird die Keramikschrittweise aufgetragen und in speziellen High-Tech-Öfen gebrannt. Für das moderne Pressverfahren stellt der Zahntechniker nach dem Gebissabdruck des Patienten zunächst eine Hohlform her. Die Keramikwird verflüssigt und unter hohem Druck in die Form gepresst und so entsteht die Restauration. In den letzten Jahren wurden moderne computergestützte CAD/CAM-Verfahren entwickelt, die mittels rechnergesteuerter Fräsmaschinen die Herstellung der Restaurationaus einem industriell vorgefertigten Keramikblock ermöglichen.

Keramik im Himmel und auf Erden

Montag, Februar 24th, 2014

Innen extrem hart, außen so schön wie die eigenen Zähne

In der Zahnmedizin kommen verschiedene Keramikarten zum Einsatz. Sie eignen sich für unterschiedliche Anwendungsgebiete und Herstellungsverfahren. Verwendet werden vor allem Oxid- und Silikatkeramiken – mit unterschiedlichen Schwerpunkten:

• Die Oxidkeramiken sind hochfest, aber weniger lichtdurchlässig. Sie werden vor allem als Kernmaterial für Kronen und Brücken verwendet und konventionell einzementiert. Da diese Werkstoffe einen sehr hohen Druck aushalten, sind sie auch für die stark belasteten Seitenzähne geeignet.

•Die etwas weniger festen, aber optisch exzellenten Silikatkeramiken werden für Veneers, Inlays und Teilkronen eingesetzt und dienen darüber hinaus zum Verblenden von Kronen mit einem Kern aus Metall oder hochfester Keramik. Diese Werkstoffe können mit dem Restzahn verklebt werden. So geht nur wenig Substanz verloren und eine optimale Stabilität ist gewährleistet.

Professionelle Hilfe

Montag, Februar 17th, 2014

Von Grund auf gereinigt, von krankmachenden Belägen wie Plaque und Zahnstein befreit und auf Hochglanz poliert: Eine professionelle Zahnreinigung (PZR) ist Wellness für die Zähne und sollte die Zahnpflege regelmäßig (alle sechs Monate) unterstützen. Sie stellt zahnmedizinisch gesehen die wichtigste Vorsorgemaßnahme dar. Auch wenn die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten einer PZR nicht übernehmen, lohnt sich die Investition in die Zahngesundheit.

Mund auf für Hightech-Keramik

Montag, Februar 17th, 2014

In vielen Patientenmündern versteckt sich eine Vielfalt an Materialien, die im Laufe eines Lebens bei diversen Zahnarztbesuchen für Brücken, Kronen oder Inlays zum Einsatz gekommen sind. Heute lohnt es sich, genauer hinzusehen, denn die Entwicklung der in der Zahnmedizin verwendeten Stoffe hat in den letzten Jahren bedeutende Fortschritte gemacht.

Was im Weltall erforscht und angewendet wurde, kommt nicht selten auf der Erde zum Einsatz. Materialien, die den extremen Anforderungen in der Raumfahrt Stand halten, können sich auch in anderen medizinischen und technischen Bereichen bewähren. Eines dieser High-Tech-Materialien hat die moderne Zahntechnik für sich entdeckt: Keramik. Extreme Härte, hohe Abriebfestigkeit, Formstabilität und Beständigkeit gegenüber chemischen Einflüssen aller Art – das sind die Eigenschaften, mit denen sich Keramikauszeichnet.

Mund auf für Hightech-Keramik

Montag, Februar 17th, 2014

Keramik – die Antwort auf höchsten Anspruch

Grundsätzlich bestehen zahnärztliche Keramiken aus Quarz, Feldspat, Kaolin, Aluminiumoxid, Yttrium und Leucit. „Eine Allround-Keramikfür alle Fälle gibt es aber nicht“, erklärt Dr. M. Oliver Ahlers, Privatdozent und Oberarzt am Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf. „Vielmehr wird der Werkstoff Keramikje nach Einsatzort und Anforderung so zusammengesetzt, dass die jeweiligen Eigenschaften optimal wirken können.“ Zum Beispiel: Teilkeramische Kronen oder Brücken mit Metallkern, vollkeramische Inlays oder auch Keramik-Veneers, hauchdünne Verblendschalen, die auf die Oberfläche verfärbter oder abgebrochener Zähne geklebt werden.

Mund auf für Hightech-Keramik

Montag, Februar 17th, 2014

Metallfreie Zone für Patienten

Gerade in punkto Bioverträglichkeit sind die Anforderungen an die Zahnmedizin in den letzten Jahren gewachsen. Die Gesundheit gefährdende Materialien sind für den aufgeklärten Patienten von heute tabu. Besonders auf metallhaltige Materialien, die durch den sauren Speichelkorrosionsanfällig sind, reagieren viele allergisch. Bekanntester Vertreter solcher Stoffe: das Amalgam. „Es gibt zunehmend Versorgungslösungen ohne Metall“, erklärt Dr. Ahlers, „und dabei steht Keramikan erster Stelle.“

Mund auf für Hightech-Keramik

Montag, Februar 17th, 2014

Weiterentwicklung und kein Ende in Sicht

Noch ist der Einsatz von Keramik
nicht unbegrenzt möglich. Für kleinere Brücken im Front- und Seitenzahnbereich eignet sich Keramik gut, größere Gebisslücken allerdings sind damit noch nicht zu versorgen. Doch die Wissenschaft ist bereits auf dem Weg, auch diese Lücke zu schließen – im wahrsten Sinne des Wortes. Erste Ergebnisse von Langzeitstudien klingen viel versprechend und lassen besonders auf den neuen und hoch belastbaren Werkstoff Zirkonoxidkeramik hoffen.