Interview „Kids benötigen Durchhaltevermögen“

Souverän zeigen die Kids von heute ihr „Silberlächeln“, dis­­kutieren unter Freunden über Brackets, Gummiringe und die neuesten Trendfarben für Zahnspangen. Doch auch immer mehr Erwachsene setzen sich mit der Korrektur von Zahnfehlstellungen durch Klammern auseinander – nicht nur als Eltern, sondern auch als Patienten. Welche Möglichkeiten gibt es grundsätzlich, um aus schiefen Zähnen für Jung oder Alt einen perfekten Zahnbogen zu ma­­chen? Die ProDente-Expertin Dr. Ana-Maria Milat beant­wortet die wichtigs­ten Fragen zum Thema.

Welche Methoden sorgen für Ordnung im Mund?

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten: heraus­nehmbare und festsitzende Spangen. Welche der Patient er­hält, hängt allein von der jewei­ligen Situa­tion im Mund ab. Bei kleineren Fehlstellungen oder beispielsweise bei einer Rück­lage des Unterkiefers wird eine lose Spange aus Kunststoff einge­setzt. Der Patient trägt diese nach den Anweisungen des Kieferorthopäden: zum Beispiel nur nachts oder rund um die Uhr. Auch wenn der Patient selbst die Schräubchen an der Klammer weiterdrehen soll, um die gewünschte Veränderung zu erreichen, erklärt ihm das der be­han­­­delnde Arzt. An einer festsitzenden Klammer dagegen muss der Patient weniger selbst machen. Sie besteht aus auf die Zähne geklebten Brackets (engl. „Träger, Stütze“) und einem Spannbogen aus Draht, der jederzeit Druck auf die Zähne ausübt.

Solche Spangen können die Zähne in alle Rich­tungen bewegen und bleiben oft mehrere Jahre lang im Mund – bis das Gebiss ganz in Ordnung gebracht ist. Damit diese Situation erhalten bleibt, wird immer nach der festen nochmals für einige Zeit eine lose Klammer getragen.

Wann sollte man mit der Behandlung beginnen?

Das entscheiden im Einzelfall Zahnarzt und Kieferorthopäde. Manche Fehlentwicklungen können schon im sehr frühen Kindesalter korrigiert werden. Die meisten Behand­lungen beginnen etwa im zehnten Lebensjahr, also in einer Phase des starken Wachstums des Wechselgebisses, in die man gut korrigierend eingreifen kann. Mit 13 oder 14 Jahren sind die Zähne dann in der Regel gerichtet und die aktive Arbeit des Kieferorthopäden ist beendet. Grundsätzlich ist es aber für die Behandlung von Fehlstellungen nie zu spät, denn unsere Zähne lassen sich zeitlebens bewegen – und bewegen sich ja auch von selbst, etwa durch den Druck der Zunge oder wenn durchbrechende Weisheitszähne ihre Nachbarn verschieben. Also können auch Erwachsene ihr Gebiss mit kieferorthopädischen Hilfsmitteln richten lassen.

Wie muss sich der Patient mit seiner Zahnspange verhalten?

Er braucht in jedem Fall Durchhaltevermögen und Sorgfalt – bei jungen Patienten ist es deshalb häufig auch Aufgabe der Eltern, ihre Kinder „bei der Spange“ zu halten. Die losen Klammern müssen unbedingt so oft und so lange getragen werden, wie es der Kieferorthopäde ange­ordnet hat, sonst erreicht man das Ziel – gerade, funktions­tüchtige und schö­ne Zähne – nicht. Anfangs fühlen sich zwar alle Spangen ungewohnt an, aber die meisten Patienten kommen nach kurzer Zeit gut zurecht.

Feste Klammern wirken automatisch rund um die Uhr – ihre Besitzer müssen aber besonders auf eine exzellente Zahnpflege achten, denn durch die Brackets und Bögen im Mund ist das Zähneputzen aufwen­diger. Kleine Bürsten für die Zahnzwischenräume helfen bei der gründlichen Reinigung.

Wer trägt die Kosten der kieferorthopädischen Behandlung?

Vor eineinhalb Jahren sind die Kriterien für die Behandlung bis zum 18. Lebensjahr strenger geworden. Nur wenn die Zahnfehlstellungen den von den gesetzlichen Kran­ken­kassen festgelegten Vorgaben ent­spre­­chen, übernehmen diese die Kosten. Die Abwicklung hat sich nicht verändert und erfolgt in zwei Stufen: Zunächst rechnet der Arzt 80 Prozent direkt mit der Kasse ab, die restlichen 20 Prozent zahlt der Patient quartalsweise selbst. Nur wer die Behandlung bis zum erfolgreichen Ende durchhält, wird anschließend belohnt und erhält die 20 Prozent zurück. Muss der Kieferorthopäde die Behandlung dagegen abbrechen, weil der Patient nicht mitar­beitet – die Klammer gar nicht oder unregelmäßig trägt –, werden auch keine Kosten erstattet. Bei Erwachsenen gelten die Regelungen unverändert: Hier übernimmt die Kasse nur dann die Kosten, wenn eine kombinierte kieferorthopä­di­sche und -chirurgische Behand­lung notwendig ist.

Leave a Reply