Archive for September, 2013

Wenn die Seele schmerzt – psychogene Zahnersatzunverträglichkeit

Mittwoch, September 11th, 2013

Zähne und Seele hängen eng zusammen. Redewendungen wie „Zähne zusammenbeißen“ oder „auf Granit beißen“ belegen dies. Gerade in den Zahnarztpraxen werden die Zusammenhänge sichtbar. Zunehmend leiden Patienten an psychosomatischen Beschwerden. Während die einen über einen langen Zeitraum hinweg an unerklärlichen Schmerzen leiden, knirschen und pressen sich andere durch die Nacht. Wieder andere leiden an der sogenannten psychogenen Zahnersatzunverträglichkeit.

Hinter dem Begriff psychogene Zahnersatzunverträglichkeit verbergen sich vielfältige Symptome wie diffuse, weit ausstrahlende Schmerzen, Mundschleimhautbrennen, Geschmacksirritationen und Schluckbeschwerden. „Die Betroffenen sind meist fest davon überzeugt, dass die oftmals chronischen Beschwerden durch eine Materialunverträglichkeit des Zahnersatzes hervorgerufen werden“, so Dr. Dietmar Oesterreich von der Initiative proDente. Nicht selten beharren sie auf eine Neuanfertigung der Prothese, obwohl der zahnärztliche Befund keinen Anlass zur Korrektur gibt.

„life event“ als Ursache

Oftmals geben psychosoziale Faktoren den Ausschlag für die Schmerzen im Kiefer-Gesichtsbereich. Studien zeigen, dass der Beginn der Beschwerden u.a. mit einem einschneidenden Lebensereignis, einem „life event“ einsetzt. „Die Diskrepanz zwischen medizinischem Befund und Befinden des Patienten sollte den Zahnarzt veranlassen auch nach einschneidenden Lebensereignissen des Patienten zu fragen“, erklärt Dr. Oesterreich. Hat ein Zahnarzt diagnostisch alle zahnmedizinischen Ursachen für die Beschwerden ausgeschlossen und erkennt eindeutig seelische Faktoren als Quelle für die körperlichen Beschwerden, wird er dem Patienten raten einen Psychotherapeuten aufzusuchen. So manchen Patienten wird dies sicher überraschen, aber bei  einer gezielten Aufklärung Verständnis erreichen.

Nächtliche Schwerstarbeit

Neben dem Phänomen der psychogenen Zahnersatzunverträglichkeit gibt es auch andere Ventile, angestauten Druck abzulassen. Zahlreiche Menschen verarbeiten Stress nachts, indem sie sich durch die Nacht knirschen und pressen. Sie kauen ihre Probleme und Sorgen während dem Schlafen immer wieder erneut durch. Die Folge: zuerst werden die Höcker auf den Zähnen, dann die Zahnoberfläche selbst durch den ständigen Knirscherprozess abgerieben – Zahnärzte können das an den unnatürlich glatt polierten Kauflächen erkennen. Erste Hilfe bei nächtlichem Zähneknirschen bietet eine Aufbiss-Schiene, die die Zähne und das Kiefergelenk entlastet und so das unerwünschte Knirschen und Mahlen verhindert – der „Knirscher“ wird vor sich selbst geschützt. „Diese Maßnahme kann durch die Behandlung einer speziellen Physiotherapie ergänzt werden, welche die Kiefermuskeln lockert“, so Dr. Oesterreich. Der Ursache begegnen auch hier Entspannungstechniken und Methoden wie Autogenes Training.

Implantate keine Allheilmittel

Mittwoch, September 11th, 2013

„Es gibt an Implantaten genauso entzündliche Zahnfleischerkrankungen, wie an natürlichen Zähnen“, darauf macht proDente-Experte Prof. Dr. Becker aufmerksam. „Die Entzündungen an Implantaten sind oftmals sogar schlimmer und schreiten schneller voran“, führt Becker weiter aus. Das liegt am Aufbau eines Implantats. Die Oberfläche des Implantats ist an der Stelle wo das Verbindungsstück aus dem Zahnfleisch herausragt glatt und somit einfach zu reinigen. Wenn der Zahnersatz jedoch nicht gründlich gepflegt wird entsteht ein so genannter Biofilm, der sich bis zum Bereich der Schraube ausdehnt und zu einer Zahnfleischentzündung führt.  „Von den Gewindegängen und rauen Oberflächen den Biofilm zu entfernen ist viel schwieriger, als bei einem natürlichen Zahn“, so Becker.

Der Zahnarzt muss herausfinden, wo die Ursache der Zahnschäden liegen. Hat es bislang Versäumnisse bei der Zahnpflege gegeben, muss der Zahnarzt ein offenes Gespräch mit den Patienten führen. „Einfach Geld auf den Tisch legen und Implantate einsetzen lassen ist dann keine nachhaltige Lösung“, kommentiert Dirk Kropp, Geschäftsführer der Initiative proDente.  Der Patient muss nach dem Eingriff bereit sein, seine Zähne und den implantatgetragenen Zahnersatz regelmäßig und genau zu pflegen.

Genetisches Risiko

Es gibt Patienten, die aufgrund ihrer Gene erhöhte Entzündungsraten aufweisen. Das betrifft auch Entzündungen an Implantaten. Bakterien erreichen bei diesen Menschen einfacher das Gewebe und lösen eine Antwort der Immunabwehr aus. Eine Überreaktion des Körpers führt dann zu einer Entzündung, die Knochen und Weichgewebe schädigt.

Parodontose-Patienten sind Risiko-Patienten

Stellt der Zahnarzt schon bei der ersten Untersuchung eine Parodontitis fest, gelten diese Patienten bei einer Zahnersatzbehandlung mit Implantaten als Risikopatienten. Das bedeutet eine große Verantwortung für Zahnarzt und Patient. Die Patienten müssen schon im Vorfeld besonders sorgfältig untersucht und aufgeklärt werden. Auch die Therapie wird auf die Situation ausgerichtet. Die mögliche Anzahl und die Länge der Implantate wird davon abhängen wie stark der Patient mit einer Zahnfleischentzündung vorbelastet ist.  Denn: Wenn die Therapie nicht anschlägt, ist ein Implantat deutlich schwieriger wieder zu entfernen, als ein natürlicher Zahn.  Das Implantat wird nicht einfach gezogen sondern mit Hilfe von Bohrern und Fräsen herausoperiert.

Interview „Zähne im Alter haben hohe Signalwirkung“

Donnerstag, September 5th, 2013

Die Bevölkerungsentwicklung zeigt, dass die Menschen im Durchschnitt immer älter werden. Gründe dafür sind die Verbesserung der allgemeinen Lebensbedingungen, aber auch die medizinisch gute Versorgung spielt eine entscheidende Rolle. Die vierte Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS IV) von 2005 zeigt, dass knapp über 30 % der 65 bis 74-jährigen eine Vollprothese tragen. PD Dr. med. Anne Wolowski, Oberärztin und Prüferin für Zahnersatzkunde der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik des Universitätsklinikums in Münster, berichtet in einem Interview mit proDente über die zahnmedizinische Versorgung im Alter.

Welche Bedeutung hat die Zahngesundheit für Senioren?

Mund und Zähne sind ein wichtiger Teil des Selbstbildes mit hoher sozialer Signalwirkung. Wichtige Funktionen, wie eine deutliche Aussprache und die Nahrungsaufnahme, hängen wesentlich vom Zustand der Zähne ab. Zwischenmenschliche Kontakte, Lächeln und gemeinsame Mahlzeiten können nur genussvoll und als Lebensgewinn erlebt werden, wenn sich der ältere oder alte Mensch nicht schämen muss, weil der Zustand seiner Zähne desolat ist, ein „appetitliches Essen“ große Schwierigkeiten bereitet oder er das Gefühl hat, dass er andere durch Mundgeruch belästigt. Abgesehen von dieser psychosozialen Komponente ist eine ausgewogene Ernährung nur möglich, wenn die „Kauwerkzeuge“ funktionieren und belastbar sind.

Welche Kriterien entscheiden darüber, ob sich Patient und Zahnarzt für eine Teil- oder Vollprothese aussprechen?

Sofern noch Zähne vorhanden sind, stellt sich zunächst die Frage, ob diese erhaltungswürdig sind und möglicherweise als prothetische Pfeilerzähne in eine Versorgung einbezogen werden können. Ein Pfeilerzahn sollte parodontal gesund sein, wobei Knochenabbau bis zu einem gewissen Grad keine Kontraindikation darstellt. Die Zähne sollten weiterhin kariesfrei sein. „Kariesfrei“ sind auch solche Zähne, die durch eine Füllungstherapie entsprechend vorbehandelt sind. Wurzelkanalbehandelte Zähne sollten keine Auffälligkeiten im Bereich der Wurzelspitze aufweisen. Im Rahmen der prothetischen Planung geht es dann darum zu entscheiden, welche Art Zahnersatz angemessen ist. Die Stellung der Zähne im Kiefer, zukünftige Erweiterungsfähigkeit, Pflegefähigkeit, einfache Handhabung sind ebenso Kriterien wie die allgemeine Konstitution und die finanziellen Möglichkeiten des Patienten.

Besonderheit Zahnlosigkeit

Bei zahnlosen Patienten stellt sich als Behandlungsalternative die Frage, ob eine Implantation sinnvoll ist. Diese stellt insbesondere dann eine Befundverbesserung dar, wenn durch konventionelle Mittel kein befriedigendes Ergebnis zu erzielen ist. Vor Implantation wird die Knochendicke gemessen. Ist diese in ausreichendem Maße vorhanden, kann nach Abwägung aller gesundheitlichen Risiken und entsprechender präprothetischer Planung die Implantation durchgeführt werden. Sofern das Knochenangebot nicht mehr ausreichend ist, ist eine weitere Operation notwendig. Da dieses mit hohem Aufwand und längeren Einheilzeiten verbunden ist, sollte bei Schwierigkeiten mit Totalprothesen und nach Ausschöpfung konventioneller Möglichkeiten frühzeitig eine entsprechende Beratung eingefordert werden. Selbstverständlich sind auch hier allgemeingesundheitliche Risiken abzuwägen.

Welche Probleme können durch Prothesen auftreten?

Man sollte in diesem Zusammenhang nicht über Prothesen allgemein sprechen, sondern unterscheiden zwischen totalen Prothesen für zahnlose Patienten und Teilprothesen für Patienten mit reduzierter natürlicher Bezahnung. Die Merkmale der Teilprothesen ist, dass deren Sättel zum Ersatz der fehlenden Zähne auf der Schleimhaut gelagert sind und sie über Halteelemente, wie z. B. Klammern, Geschiebe oder Teleskopkronen mit den natürlichen Zähnen verbunden sind. Ein Nachlassen der Passgenauigkeit der Sättel führt zu einer Fehlbelastung der Zähne, die darauf mit Lockerung reagieren. Auch ist die Pflege einzeln stehender Pfeilerzähne wider Erwarten schwieriger. Hier muss besonders darauf geachtet werden, dass sämtliche Zahnflächen und die Kronenrandbereiche gereinigt werden.

Bei Schleimhaut gelegenen Totalprothesenträgern führt vor allem der natürliche Schwund des Kieferknochens, also des Prothesenlagers, zu Schwierigkeiten: die „Prothesenhaftung“, insbesondere bei unteren Prothesen lässt nach. Eine Lagestabilisierung kann durch Implantate erreicht werden. Dies ist im Unterkiefer deutlich häufiger angezeigt als im Oberkiefer.

Gibt es einen Trend zum implantatgestützten Zahnersatz?

Die Implantation zur Verbesserung des Haltes einer totalprothetischen Versorgung bzw. zur Verbesserung der Pfeilerverteilung unter statistischen Aspekten bei einer Teilprothese gewinnt zunehmend an Bedeutung. Gründe: Beim implantatgestützen Zahnersatz wirkt sich der natürliche Knochenschwund nicht ungünstig auf den Zahnersatz aus. Außerdem werden die Patienten immer älter.

Welche Pflege benötigen Prothesen?

Prothesen müssen ebenso wie natürliche Zähne täglich manuell gereinigt werden. Hierzu kommen spezielle Prothesenbürsten, oder gerade für Patienten mit Behinderungen robuste Handbürsten, kombiniert mit Zahnpasta, zum Einsatz. Schafft der ältere Mensch das nicht mehr alleine, muss er dabei unterstützt werden. Im Rahmen von etwa halbjährlichen Kontrollterminen sollte bei Bedarf diese Reinigung professionell unterstützt werden.

Wie schätzen Sie die künftige Entwicklung ein? Werden die Menschen durch die verbesserte Pflegesituation ihre Zähne länger behalten oder werden immer mehr Menschen durch die verlängerte Lebensdauer auf prothetische Versorgung angewiesen sein?

Die hervorragenden Präventionserfolge, vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen und die Erfolge und Möglichkeiten Zahn erhaltender Maßnahmen in jedem Lebensalter, werden dazu führen, dass Zähne länger erhalten bleiben. Eine Vorausberechnung des „Prothetikbedarfs“ bis zum Jahr 2020 (bereits zitierte Studie der Deutschen Gesellschaft für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde) hat jedoch gezeigt, dass dieser nicht rückläufig ist. Als prothetische Trends werden darin „mehr fester Ersatz“ und „mehr Implantologie bei älteren Patienten“ genannt.

Totalprothetik

Donnerstag, September 5th, 2013

Zähne können bis ins hohe Alter erhalten bleiben. Leider erreicht diesen Idealzustand nicht jeder. Zahnlosigkeit bedeutet heute aber nicht mehr ein gesellschaftliches Handicap. Die moderne Zahnmedizin und Zahntechnik ist in der Lage, mit einer Totalprothese Funktion und Ästhetik wiederherzustellen.

„Der Anfertigung einer Prothese im zahntechnischen Meisterlabor geht die sogenannte Relationsbestimmung voraus“, weiß Joachim Hoffmann, Zahnarzt und proDente Experte. Dabei wird die Lage des Unterkiefers zum Oberkiefer und auch ihre Position in Relation zum Kiefergelenk aufgezeichnet. „Ziel ist es, die künstlichen Zahnbögen so zu gestalten, dass sie sich bei Kieferbewegunen und beim Kauen gegenseitig abstützen und eine Bewegung der Prothesen verhindern“, so der Experte. Der Zahntechniker im Meisterlabor gestaltet die Zahnreihen der Prothesen nach diesen Vorgängen und so kann der Patient ohne Störungen problemlos sprechen, kauen und auch sorglos lachen.

Guter Halt gibt Sicherheit

Besondere Abformtechniken tragen dazu bei, den Halt der Prothesen zu verbessern. Totalprothesen liegen lose auf der Schleimhaut. Mit Hilfe einer funktionellen Abformung die alle Mundbewegungen berücksichtigt, fertigt der Zahntechniker die Arbeitsmodelle an. Hier ist er in der Lage  den Prothesenrand besonders zu gestalten und die Prothesenbasis exakt der Schleimhaut anzupassen. Im Oberkiefer gelingt es in aller Regel leicht den für den Halt notwendigen  Saugeffekt zu erzielen. Im Unterkiefer ist dies viel schwieriger, da hier keine breitflächige Auflagerung möglich ist“, erklärt Zahnarzt Hoffmann. Der Halt der Prothese hängt daneben auch noch von einer Reihe weiterer Faktoren ab, z.B. von der Kieferform und der Art und Menge des Speichels.
Kann auf die herkömmliche Art und Weise kein ausreichender Halt erzielt werden, besteht heute in vielen Fällen die Möglichkeit, den Zahnersatz auf künstlichen Wurzeln – Implantaten – zu befestigen.

Lebensfreude durch gute Ästhetik

Ebenso wichtig wie die Funktion beim Kauen und Sprechen ist die Ästhetik einer Totalprothese. Joachim Hoffmann: “Eine  ästhetisch natürlich und funktionell gestaltete  Prothese gibt einem Gesicht seine Lebendigkeit und Frische wieder. Die Lippen werden wieder gestützt und erhalten ihre alte Fülle.“ Hat der Zahntechniker im Meisterlabor ein älteres Foto des Patienten mit seinem natürlichen Gebiss vorliegen, kann er die Zähne nach diesem Vorbild gestalten  oder  die verwendeten Prothesenzähne durch kleine Veränderungen der Form und der Farbgebung so individuell anpassen, dass sie altersgemäße Gebrauchsspuren zeigen und so von den ‚echten’ Zähnen kaum noch zu unterscheiden sind.

Vollprothesen erfüllen neben der Wiederherstellung von Funktion und Ästhetik andere wichtige Aufgaben. So tragen sie dauerhaft zur Entlastung der Kiefergelenke bei. Ebenso wirken sie vorbeugend gegen die gefürchete Schlafapnoe (vorübergehender Atemstillstand), einen Zustand, der nachts zu lebensgefährlichem Sauerstoffmangel führen kann. Dies sind wichtige Gründe, den Zahnersatz – nach sorgfältiger Reinigung – auch nachts zu tragen.

Erfolg auf Dauer setzt sorgfältige Pflege voraus

Die Lebensdauer einer Prothese hängt nicht zuletzt von der täglichen Pflege ab. Eine intensive Mund- und Prothesenhygiene beugt Schäden vor. Dabei sollten Prothesen zweimal täglich gereinigt werden, um so  eventuelle Geruchs bildende Bakterien und Fäulnis-Prozesse zu unterbinden. Zur Reinigung eignet sich eine spezielle Prothesenzahnbürste und Gelzahnpasta oder Reinigungstabletten. Leichte Ansätze von Zahnstein können durch ein Bad in warmem Essigwasser aufweicht und mit der Zahnbürste leicht entfernt werden. Neben der Reinigung des Zahnersatzes sollte die der eigenen Zähne und des Zahnfleisches nicht vergessen werden.