Stress für die Zähne in der Pubertät

Die Eltern sind peinlich, die Schule nervt, lang bestehende Familienregeln werden gebrochen – ist das der Fall, hat die von vielen Eltern gefürchtete Pubertät, der Übergang vom Kindes- in das Erwachsenenalter, begonnen! Aber nicht nur die Familie leidet unter den hormonellen Stimmungsschwankungen der Pubertierenden, oftmals sind auch die Zähne in dieser Lebensphase erhöhtem Stress ausgesetzt.

Die Zähne von Jugendlichen in der Pubertät sind empfindlich, da die Reifung des Zahnschmelzes erst nach dem Durchbruch der bleibenden Zähne erfolgt und die Zahnhartsubstanz ihre volle Widerstandsfähigkeit erst nach mehreren Jahren erreicht. Zudem schließen sich im Jugendalter die Zahnreihen, was ein erhöhtes Kariesrisiko mit sich bringt.

Gerade in dieser Zeit schwindet der Einfluss der Eltern und die Versuchungen von Fast Food, Rauchen, Süßigkeiten und Alkohol nehmen zu. Die erste Zigarette oder der erste Rausch werden als die „erste erwachsene Handlung“ wahrgenommen. Für die Mundgesundheit ist das weniger schön. Denn Rauchen erzeugt nicht nur Krebs und verursacht Herzinfarkte, Schlaganfall oder schwere Lungenerkrankungen, sondern schädigt in vielfältiger Weise auch den Mundraum. „Raucher sind der erhöhten Gefahr ausgesetzt, an Parodontalerkrankungen, Entzündungen des Zahnhalteapparates, zu erkranken“, weiß Prof. Dietmar Oesterreich von der Initiative proDente. Je mehr geraucht wird, umso größer ist die Gefahr für Zahnverlust. Außerdem erkranken Raucher häufiger an Karies und Mundhöhlenkrebs. Schon nach dem Rauchen einer Zigarette finden sich enorme Mengen Krebs erzeugender Substanzen im Speichel. „Diese Substanzen können die Entstehung von Vorstufen des Mundhöhlenkrebses verursachen“, so Prof. Oesterreich. Das Risiko von Rauchern, an Krebs im Mundraum zu erkranken, ist fünf Mal so hoch wie bei Nichtrauchern. Wer dann noch zusätzlich regelmäßig Alkohol trinkt, steigert das Risiko auf das 13-Fache.

Eltern sollten ihre Kinder schon vor Beginn der Pubertät über die schädlichen Auswirkungen des Rauchens aufklären. Kinder, die dem Rauchen vor der Pubertät ablehnend gegenüberstehen, sind vor der Versuchung besser geschützt.

Alcopops, Cola und Co.

Zu viel Säure schadet den Zähnen! Häufig greifen Teenager in der Pubertät verstärkt zu säurehaltigen Getränken wie Alcopops, Softdrinks, Biermixgetränken, Mineralwässern mit Fruchtzusätzen sowie Limonade und Cola. Die Jugendlichen entscheiden jetzt selbst, was sie essen und trinken möchten. Der häufige Konsum von säurehaltigen Getränken begünstigt jedoch schwerwiegende Schäden der Zahnhartsubstanz. Zuerst ist der Zahnschmelz betroffen, dann das Zahnbein. Es ist daher ratsam, säurehaltige Getränke nur sparsam zu konsumieren und nicht in kleinen Portionen über den Tag verteilt zu sich zu nehmen.

Außerdem ist eine regelmäßige und sorgfältige Pflege der Zähne nötig, um Schäden zu verhindern. Hierbei sollte man beachten, dass die Zähne nicht direkt nach dem Genuss von säurehaltigen Speisen oder Getränken geputzt werden sollen. Es lohnt sich, mindestens eine halbe Stunde zu warten. Säuren aus Speisen und Getränken greifen den Zahnschmelz an. Der Körper ist in der Lage, bei ausreichender Zeit diese entmineralisierten Bereiche wieder zu remineralisieren. Somit kann sich der weich gewordene Zahnschmelz wieder regenerieren.

Piercing

Zungen- oder Lippenpiercings finden viele Jugendliche „cool“. Nicht selten lassen sie sich den Schmuck heimlich stechen. Die Empörung der Eltern ist dann umso größer. Nicht zu Unrecht, wie Studien von US-Zahnärzten zeigen: Dauerhafte Piercings schädigen Zähne, Nervenbahnen und den Mundraum. Dabei spielt es eine Rolle, an welcher Stelle sich das Piercing befindet. Ein Piercing in der Zunge kann zu irreparablen Rissen im Zahnschmelz führen, ein Piercing in der Unterlippe zum Rückgang des Zahnfleisches und des darunterliegenden Knochen an den unteren Frontzähnen. Die Schädigungen treten oftmals schon nach wenigen Monaten auf. Deshalb: Wer seine Zähne noch eine Weile behalten möchte, sollte die Finger von Piercings im Mundraum lassen.

Hormonelle Gingivitis

In der Pubertät kann es zu einem Hormonüberschuss kommen, der eine Zahnfleischentzündung, die sogenannte hormonelle Gingivitis, auslösen kann. Wird die Zahnfleischentzündung im Anfangsstadium nicht gestoppt, kann sie langfristig auf den Kieferknochen übergreifen und allmählich zu dessen Abbau führen. Dann geht die Gingivitis in eine Parodontitis über. „Als beste Vorbeugung gilt gründliche Zahnpflege, also täglich zweimal gründliches Zähneputzen und das Säubern der Zahnzwischenräume mit Zahnseide“, empfiehlt Prof. Oesterreich.

Außerdem sollte bei Beschwerden und Auffälligkeiten wie z.B. Zahnfleischbluten ein Zahnarzt aufgesucht werden. In der Zahnarztpraxis werden im Rahmen einer professionellen Zahnreinigung die harten und weichen Beläge entfernt und wichtige Hinweise für eine optimale Mundhygiene gegeben. Nach dieser Behandlung klingt die Entzündung bei guter Pflege in der Regel nach ein paar Wochen ab.

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