Vorsorgeprogramme beim Zahnarzt nutzen

Die letzte große Mundgesundheitsstudie aus dem Jahr 2005 hat es gezeigt: Seit 1997 ist Karies bei Kindern um knapp 60 Prozent zurückgegangen. Als Grund nennt die Studie regelmäßige Kontrollen und Vorsorgebehandlungen beim Zahnarzt, wie etwa die Fissurenversiegelung – die Versiegelung der Vertiefungen auf der Kaufläche – der Backenzähne. So weit die gute Nachricht. Was bei den meisten Kindern und Jugendlichen sehr gut funktioniert, klappt bei einer Minderheit allerdings nicht. So vereinigen etwa zehn Prozent der Zwölfjährigen rund 60 Prozent der Karies in ihrer Altersgruppe auf sich.

Im Teenageralter sind es knapp 27 Prozent der Jugendlichen, auf die rund 80 Prozent aller Karies in ihrer Altersgruppe fallen. Gerade sie bedürfen einer intensiven zahnärztlichen Betreuung. Dabei gibt es in Deutschlands Zahnarztpraxen seit Langem Vorsorgeprogramme für Kinder und Jugendliche – und die werden zum größten Teil von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt.

Regelmäßiger Schutz

Für Kinder ab dem sechsten Lebensjahr beginnt in den Zahnarztpraxen ein spezielles Vorsorgeprogramm (IP-Programm, IP = Individualprophylaxe). Im halbjährlichen Rhythmus untersucht der Zahnarzt dabei die Zähne. Danach kontrolliert eine dafür ausgebildete zahnmedizinische Fachangestellte das Zahnputzverhalten des Kindes. Färbemittel machen noch vorhandene Beläge sichtbar. Die Fachkraft zeigt, wo in Zukunft noch besser geputzt werden muss. Sie demonstriert die richtige Putztechnik und die Anwendung von Zahnseide. Im Anschluss reinigt sie gründlich das gesamte Gebiss. Danach werden die Kinder regelmäßig einbestellt, um sie erneut für die Zahnpflege zu motivieren. Am Ende des Termins trägt die Prophylaxe-Assistentin Fluorid in Form von Gel oder Lack auf die Zähne auf. Für Jugendliche, die das 18. Lebensjahr vollendet haben, endet das überwiegend kostenlose halbjährliche Vorsorgeprogramm. Lohn der Mühe: Bei guter Mitarbeit treten die Jugendlichen mit kariesfreien Zähnen ins Erwachsenenalter ein.

Bonusheft schon für Kinder

Ab dem 12. Lebensjahr wird für Kinder ein Bonusheft angelegt. Zweimal pro Jahr werden darin die Vorsorgetermine abgestempelt, ab 18 genügt ein Stempel pro Jahr für den Krankenkassenbonus. Wer über fünf Jahre das Heft lückenlos geführt hat, bekommt 20 Prozent zusätzlich zum Festzuschuss der Krankenkassen, wenn Zahnersatz notwendig wird, nach zehn Jahren sind es 30 Prozent.

Backenzähne besonders gefährdet

Ein weiterer Baustein des IP-Programms ist die Versiegelung der Vertiefungen auf der Kaufläche der bleibenden Backenzähne, die sogenannte Fissurenversiegelung. Die Zähne sechs und sieben, auch Molaren genannt, sind vor allem in der Zeit nach ihrem Durchbruch besonders kariesgefährdet. Zum einen, weil der erste Backenzahn, der um das sechste Lebensjahr oft unbemerkt hinter der Milchzahnreihe durchbricht, in der ersten Zeit beim Putzen oft vergessen wird. Zum anderen, weil der Zahnschmelz nach dem Zahndurchbruch erst eine sogenannte sekundäre Reifung durchlaufen muss, bis seine volle Härte und Widerstandskraft erreicht ist. In dieser kritischen Phase ist es daher sehr sinnvoll, die Vertiefungen der Kaufläche, in denen sich die Bakterienbeläge besonders sammeln, mit einem fließfähigen Kunststoff versiegeln zu lassen. So sind die Backenzähne geschützt und leichter zu reinigen. Die Wirksamkeit dieser Methode konnte in vielen wissenschaftlichen Studien weltweit belegt werden. Die Fissurenversiegelung der ersten und zweiten Backenzähne wird von den gesetzlichen Krankenkassen zwischen dem sechsten und 17. Lebensjahr getragen. Bei besonders kariesgefährdeten Kindern kann eine Versiegelung auch der kleinen Backenzähne, der sogenannten Prämolaren, sinnvoll sein. Die Kosten dafür müssen gesetzlich Versicherte allerdings selbst tragen.

Zahnschutz für die ganz Kleinen

Dem Vorsorgeprogramm ab sechs Jahren sind Früherkennungsuntersuchungen beim Zahnarzt für Kinder zwischen drei und sechs Jahren vorgeschaltet. Aber auch davor sollte man mit den Kleinsten ab dem ersten Lebensjahr regelmäßig zu Kontrollterminen in der Zahnarztpraxis erscheinen. Insbesondere, um sie langsam an die Behandlungssituation zu gewöhnen und um den Eltern wichtige Informationen über Mundhygiene und Ernährungsverhalten zu vermitteln. Die häusliche Zahnpflege sollte schon mit dem Durchbruch des ersten Milchzahns mit etwa einem halben Jahr beginnen. Dieser sollte mit einer speziellen Zahnbürste für Kleinkinder und einem Hauch Kinderzahncreme (enthält maximal 500 ppm Fluorid) einmal am Tag gereinigt werden. Ab dem zweiten Lebensjahr empfehlen Zahnärzte, die Zähne zweimal am Tag mit fluoridierter Kinderzahncreme zu putzen. Ab dem Schulalter können Kinder Erwachsenenzahncreme mit 1.500 ppm Fluorid benutzen.

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