Fluorid – Eine Frage der Dosis

 

Die Wirksamkeit von Fluorid in puncto Kariesschutz ist in der Vergangenheit in zahlreichen Studien belegt worden. Zahnmediziner sind sich heute einig, dass der größte Kariesschutzeffekt das Fluorid erzielt, das nach dem Zahndurchbruch auf den Zahn einwirkt – also lokal. Früher nahm man an, dass das über Tabletten eingenommene Fluorid, welches noch vor dem Zahndurchbruch in die Zahnsubstanz eingebaut wird, die größere Schutzwirkung hervorruft.

Auf Grundlage dieser neueren Erkenntnisse haben sich auch die Empfehlungen der Zahnmediziner zur Fluoridanwendung geändert. „Grundlage jeder Empfehlung – insbesondere für Eltern – ist eine genaue Befragung, die sogenannte Fluoridanamnese, aus welchen Quellen bisher Fluorid aufgenommen wird“, erklärt Prof. Dr. Dietmar Oesterreich von proDente, „sei es über Zahnpasta, Mundspüllösungen, fluoridiertes Speisesalz, Fluoridtabletten, bestimmte Mineralwässer oder das natürliche Trinkwasser.“

Fluoridzahnpasta für Kinder

Gerade bei Kindern ist die korrekte Dosierung des Fluorids besonders wichtig. Zu wenig Fluorid bietet keinen ausreichenden Kariesschutz. Zu viel Fluorid kann sich schon vor dem Durchbruch der bleibenden Zähne in diese einlagern und kreidig-weiße Flecken verursachen – ein erstes Anzeichen einer Dental-Fluorose, einer Fluoridüberdosierung. Die allgemeine Empfehlung lautet daher, ab dem ersten Milchzahn mit einem Hauch fluoridhaltiger Kinderzahncreme (enthält maximal 500 ppm Fluorid) einmal am Tag zu putzen. Ab dem zweiten Lebensjahr empfehlen Zahnärzte, die Zähne zweimal am Tag mit fluoridierter Kinderzahncreme zu putzen. Ab dem sechsten Lebensjahr sollten Kinder Erwachsenenzahncreme mit durchschnittlich 1000 bis 1.500 ppm Fluorid benutzen, um für eine ausreichende Fluoridversorgung der Zähne zu sorgen. Zusätzlich empfehlen Zahnärzte, im Haushalt von Anfang an fluoridiertes Speisesalz zu verwenden.

Fluoridtabletten notwendig?

Nur bei der Verwendung von fluoridfreier Zahnpasta sowie fluoridfreiem Speisesalz im Haushalt ist nach Ansicht der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde die Gabe von Fluoridtabletten in den ersten Lebensjahren sinnvoll. Allerdings hält die wissenschaftliche Dachorganisation der deutschen Zahnärzte übereinstimmend mit der internationalen Wissenschaft das Zähneputzen mit fluoridierter Kinderzahnpasta ab dem Durchbruch des ersten Milchzahnes – mit etwa sechs Monaten – und die Verwendung von fluoridiertem Speisesalz für die Fluoridversorgung von Säuglingen und Kleinkindern für den besten Kariesschutz.

Fluoridschutz bei erhöhtem Kariesrisiko

Stellt der Zahnarzt bei einem Kind ein erhöhtes Kariesrisiko fest, beispielsweise weil schon Milch- oder bleibende Zähne befallen sind, kommen weitere Schutzmaßnahmen in Betracht. Ab sechs Jahren sollten die Zähne dann einmal wöchentlich zusätzlich zum normalen Zähneputzen mit einem speziellen höher dosierten Fluoridgel geputzt werden. Je nach Kariesrisiko kann auch die Anwendung mehrmals wöchentlich über einen bestimmten Zeitraum angezeigt sein. Alternativ können fluoridierte Mundspüllösungen zusätzlich zum Zähneputzen verwendet werden. Der Zahnarzt trägt bei erhöhtem Kariesrisiko mindestens zweimal pro Jahr – in Einzelfällen auch häufiger – einen hochkonzentrierten Fluoridlack auf die Zähne auf. Fluoride sind natürlich nicht nur für Kinder und Jugendliche wichtig. Auch bei Erwachsenen wird neben den bereits genannten Möglichkeiten im Rahmen einer professionellen Zahnreinigung Fluorid auf die Zähne aufgetragen.

Fluorid ist nicht alles

Trotz einer gewissenhaften Vorsorge mit Fluorid sollte nicht aus dem Blickfeld geraten, dass bestimmte Mikroorganismen im Zusammenspiel mit häufigem Zuckerkonsum und zu wenig Zahnpflege Karies verursachen. Eine schlechte Mundhygiene, häufige zuckerhaltige Mahlzeiten, wie zum Beispiel gesüßte Kindertees aus der Nuckelflasche oder Limonade, können mit Fluoridgaben nicht ausgeglichen werden. Eltern müssen deswegen konsequent mit Durchbruch des ersten Milchzahnes für regelmäßige Mundhygiene sorgen. So führen sie ihre Kinder an eigenständiges Putzen heran, welches ab der ersten bis zweiten Klasse beherrscht wird. Auch Kinder und Jugendliche mit festen Zahnspangen sowie Patienten, die unter Mundtrockenheit leiden, müssen zusätzlich zur regelmäßigen Fluoridanwendung auf ihren Zuckerkonsum achten und eine sehr gewissenhafte Mundhygiene betreiben.

Quelle:“prodente“

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