Rückenschmerzen – Wenn der Kiefer den Körper plagt

,,Der Mund ist der Eingang aller Krankheiten und der Ausgang aller Leiden“, sagt ein chinesiches Sprichwort. Und da ist wirklich etwas dran: So können  Bissstörungen oder Zahnschäden zum Beispiel Rückenschmerzen hervorrufen.Die meisten Menschen kämen wahrscheinlich nicht auf die Idee, zu ihrem Zahnarzt zu gehen, wenn sie beständig unter Rückenschmerzen leiden. Doch ein  Besuch in der Praxis lohnt sich unter Umständen – denn die Ursache von Wirbelsäulen-Problemen könnten tatsächlich im Mund liegen. Das Kreuz mit dem Kreuz hat sich zur Volkskrankheit entwickelt: Wie eine Umfrage des Robert Koch-Instituts vor zehn Jahren ergab, litt schon damals jeder fünfte Erwachsene in Deutschland unter chronischen Rückenbeschwerden. In  vielen Fällen können  die Ärzte nicht sagen, was  die genaue Ursache ist – nur bei zehn bis 15 Prozent der Patienten sind tatsächlich die Bahndscheiben schuld. Meistens jedoch lautet die Diagnose ,,unspezifische Rückenschmerzen“, das heißt: Die Wirbelsäule weist keine ernsteren organischen Schäden auf. In  diesen Fällen werden im Allgemeinem krampfartige Muskelverspannungen für die Schmerzattacken verantwortlich gemacht.Durchbeißen im Alltag
Viele der Betroffenen erleben nicht nur eine Rückenschmerz – Episode. Die meisten Patienten leiden in mehr oder weniger großen Abständen wiederholt unter Kreuzbeschwerden – bei manchen tut die Wirbelsäule sogar ständig weh. Als wesentliche Ursache für chronische Beschwerden wird eine permanenter Spannungszustand der  Muskeln angenommen: Er entsteht nicht nur  durch Fehlhaltung oder Bewegungsmangel, sondern vielfach aufgrund einer hohen Stressbelastung. Bei Menschen, die  in ihrem  Alltag regelmäßig ,, unter Strom“ stehen, sind nicht nur die Nerven, sondern auch die Muskeln angespannt. Zu den möglichen Auslösern für Verspannungen und Schmerzen im Rücken zählen  außerdem Fehlfunktionen im Bereich der Kiefergelenke oder Zähne. Zahnärzte bezeichnen derartige Störungen als Cranio-Mandibuläre Dysfunktion (CMD) – der Name leitet sich ab  von den Begriffen ,,Cranicum“ (Schädel), ,, Mandibula“ (Unterkiefer) und ,, Dysfuntkion“ (Fehlfunktion). Das Krankheitsbild CMD beruht auf einem gestörten  Zusammenspiel von Ober- und Unterkiefer sowie auf Zahnfehlstellungen, die entweder natürlich bedingt sind oder durch nicht korrekt sitzenden Zahnertsatz. Ist das komplexe craniomandibuläre Gefüge aus Zähnen, Kiefergelenk, Muskeln, Sehnen und Bändern beieinträchtigt, kann es  zu Verspannungen im Kopf- und Nackenbereich kommen, die schließlich auch in den Rücken ausstrahlen. Eine CMD kann außerdem folgende Symptome hervorrufen:

– Schmerzen in der Kiefermuskulatur beim Kauen;
– eingeschränkte Kieferöffnung;
– Reibe- oder Knackgeräusche im Kiefergelenk;
– eingeschränkte Kopfdrehung;
– Kopfschmerzen;
– plötzlich auftretende Bissprobleme wie das Gefühl, dass die Zähne nicht mehr richtig
aufeinanderpassen.

Ein sehr häufiges Symptom der CMD ist das Zähneknirschen. Viele Menschen beißen sich in wahrsten Sinne des Wortes durchs Leben – meistens in der Nacht und völlig unbewusst. Wer im Schlaf mit  den Zähnen knirscht, führt dabei stark pressende oder mahlende Kaubewegungen aus: Ihr Druck kann bis zu zehnmal höher sein als beim normalen Essen. Passiert das regelmäßig, leiden  die Zähne enorm – an Kauflächen und Schneidekannten erfolgt starker Abrieb, es entstehen Risse im Zahnschmelz, einzelne Zähne können sich lockern oder abbrechen.

Gezielte Behandlung
Der Zahnarzt kann mit speziellen Diagnosemethoden feststellen, ob hinter den Beschwerden seines Patienten eine Fehlfunktion der Kiefergelenke steckt: Fachleute sprechen von der so genannten Funktionsanalyse. Ziel dieser komplexen Methode ist es, mögliche krankmachende Veränderungen im Wechselspiel  von Zähnen, Muskeln und Kiefergelenk festzustellen. Die Kosten einer Funktionsanalyse werden von den gesetzlichen Krankenkassen allerdings nicht erstattet – sie muss daher nach der Gebührenordnung für Zahnärtze als Privatleistung abgerechnet werden. Die Therapie der Craniomandibulären Dysfunktion hängt von der jeweiligen Diagnose ab. Knirscht jemand mit den Zähnen, kann der  Zahnarzt Entlastung schaffen, indem  er für seine Patienten eine individuelle Aufbissschiene anfertigen lässt. Sie wird nachts auf die Zahnreihe gesetzt, um das Gebiss vor weiterem Abrieb zu schützen. Sind Zahnfehlstellungen, zu hohe Füllungen oder Kronen, schlecht sitzender oder schadhafter Zahnersatz oder Lücken im Seitenzahnbereich Ursache einer craniomandibulären Dysfunktion, kann der Zahnarzt schnell helfen: indem er zum Beispiel eine überstehende Füllung einschleift oder neuen, funktionsgerechten Zahnersatz eingliedert. Manchmal erweist sich aber auch eine kieferorthopädische Behandlung als nötig. Welche Therapie im Einzelfall zu empfehlen ist, stellt der Zahnarzt aufgrund der jeweiligen Diagnose fest.

Quelle. „Lückenlos“

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