Auch Pflegebedürftige brauchen den Zahnarzt

Deutschland altert: Immer mehr Menschen sind dauerhaft auf fremde Hilfe angewiesen. Die Zahnmedizinische Versorung von Pflegebedürftigen ist aber leider  noch nicht flächendeckend gesichert.

Wie ist  die Betreuung von Pflegebedürftigen zurzeit geregelt?
Geregelt ist noch garnichts. Handelt es sich um pflegebedürftige, die mobil sind – unter Umständen mit Begleitung -, wird  die  Behandlung wie bei allen anderen Patienten in der Praxis durchgeführt. Besteht die dazu nötige Mobilität jedoch nicht mehr, ist eine zahnmedizinische Betreuung nur möglich, indem der Zahnarzt den Patienten zuhause oder im Heim besucht. Das bedeutet ein erheblich größeren Personal- und Zeitaufwand. Es können auch nicht alle Behandlungen am Pflegebett durchgeführt werden. Eine generelle ,,aufsuchende Betreuung“ durch den Zahnarzt ist  in der gesetzlichen Krankenversicherung nicht vorgesehen und wird auch nicht vergüte

Wird der  Wunsch  nach einem Hausbesuch oft herangetragen?
Die Nachfrage steigt – auch aufgrund der demographischen Entwicklung. Nur etwa 30 Prozent der Pflegebedürftigen leben in stationären Einrichtungen. Die zahnmedizinische Betreuung ist dort natürlich leichter zu organisieren als in einem Privathaushalt. Doch da lebt die Mehrheit der Pflegebedürftigen. Eine regelmäßige Zahnmedizinische Versorgung bekommen viele von Ihnen nicht. Es gibt in einigen Bundesländern zwar Modellprojekte, die mit Pflegeeinrichtungen oder einzelnen Krankenkassen durchgeführt werden, doch von einer flächendeckenden Versorgung sind wir weit entfernt.

Kümmert sich nicht auch das Pflegepersonal um die Zahngesundheit?
Es ist allgemein bekannt, dass das Personal meistens unter einer enorm hohen Arbeitsbelastung leidet. Die Mundpflege steht deshalb vielfach nicht an erster Stelle. Hinzu kommt: Die Pflegekräfte sind oft nicht ausreichend über die Bedeutung der Zahngesundheit informiert. Es wird zwar versucht, entsprechende Schulungen anzubieten, aber das kostet Zeit und Geld.

Warum ist die Mundhygiene auch im forgeschrittenen Alter so wichtig ?
Der Erhalt einer Kaufähigkeit und ein keimarmes Mundmilieu sind auch von großen allgemeinmedizinischer Bedeuutung: Eine hohe Keimbelastung der Mundhöhle, Parodontitis oder Zahnverlust mit fehlender Kaufunktion erhöhen das Risiko bei Diabetes, Herz- und Kreislauferkankungen sowie Magenleiden. Die ohnehin angegriffene Allgemeingesundheit wird zusätzlich enorm belastet.

Was kann der Zahnarzt bei einem Besuch am Krankenbett leisten?
Sehr Viel! Er kann Befunde aufnehmen, den Zustand von Zähnen und Zahnersatz prüfen und zum Beispiel Abdrücke für Prothesenreperaturen vornehmen, um die Kaufähigkeit zu erhalten. Es gibt zwar mobile Behandlungseinheiten, mit denen man am Bett sogar Zahnstein entfernen oder Füllungen legen kann. Die hat aber nicht jeder Zahnarzt zur Verfügung, weil sie sehr teuer sind.

Wie kann man die Zahnmedizinische Betreuung von Pflegebedürftigen verbessern?
Der Bedarf wird weiter steigern. Der Gesetzgeber hat darauf reagiert, indem er die Krankenkassen verpflichtet, zusätzliche Mittel für die Versorgung von Pflegebedürftigen bereitzustellen. Die Organisation der Betreuung muss den regionalen Besonderheiten Rechnung tragen: Ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Ich weiß, dass Zahnärztinnen und Zahnärtze bereit sind, sich der Herausforderung ,,Versorgung von Pflegebedürftigen“ zu stellen!

Quelle: „Lückenlos“

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