Mundgesundheit beinflusst Allgemeingesundheit

Die alleinige reparative Zahnheilkunde ist nicht mehr auf dem aktuellen Stand. Obwohl noch vielfach praktiziert, ist sie out. Am Zahn hängt ein ganzer Mensch, der Mundraum kann die Ursache vielerlei Übels sein. Die Hinwendung von immer mehr Zahnärzten zur ganzheitlichen Zahnmedizin erfordert ein Wissen Zahnarztes sowie seines Teams über den Tellerrand der Zahnmedizin hinaus. So steht zum Beispiel der Zahnverlust selbst als finale Konsequenz unbehandelter Parodontitis eher am Ende der medizinischen Wichtigkeitsskala, wie nachfolgende Berichte zeigen.

Zahnarzt wichtig für Diabetesmanagment

Anlässlich des Kongresses „Innere Medizin- fachübergreifend: Diabetologie grenzenlos“, im Februar 2012, verweist Prof. Dr. Dietmar Österreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer, auf den Einfluss der oralen Gesundheit auf die Allgemeingesundheit. Aufgrund der Erkenntnisse über die Wechselwirkungen- vor allem zwischen Diabetes und Parodontitis- stellen die Parodontitis-Praävention,-Therapie und -Nachsorge ein wichtiges Bindeglied zwischen der Zahnheilkunde und der Diabetologie dar.

„Die medizinische Kompetenz des Zahnarztes und des zahnärztlichen Teams muss gestärkt werden“, so Prof. Österreich. „Bakteriengifte im oralen Bereich begünstigen Diabetis mellitus. In Deutschland gibt es etwa sechs Millionen diagnostizierte Diabetiker, und nach jüngsten Untersuchungen werden es nicht nur immer mehr, die Patienten werden auch immer jünger.“

Zahnarzt wichtig vor Krebsbehandlung

Einer Aufklärung des Patienten durch den Zahnarzt kommt eine hohe Bedeutung zu und das nicht erst bei einer bereits diagnostizierten Krebserkrankung. Wenn ein Brustkrebs metastasiert, dann sind in etwa zwei von drei Fällen die Knochen betroffen. Während der knochenschützenden Therapie sollten Patienteninnen regelmäßig mindestens alle sechs Monate zum Zahnarzt gehen und eine FMD (Full-Mouth-Disinfection) durchführen lassen, sowie eine sehr gute Mundhygiene sollten sorgfältig vermieden werden, alle Parodontose-Herde sollten vor der Krebsbehandlung versorgt und ausgeheilt sein, um mögliche Infektionen und damit verbundene Eingriffe  während einer Therapie bestmögliche zu vermeiden (prätherapeutische Sanierung und Erhaltung). Durch diese Maßnahmen kann das Risiko, eine Nekrose der Kieferknochen zu erleiden, laut Statistik um bis zu 80% gesenkt werden. US-Forscher haben zudem in Darmkrebstumoren genetisches Material eines ansonsten im Darm seltenen Bakteriums nachgewiesen. Der Erreger findet sich eher in der Mundhöhle, wo er mit Karies und Parodontose in Verbindung gebracht wird.

Streptokokken greifen Erythrozyten an

Mitarbeitern des Instituts für Medizinische Mikrobiologie der Universität Zürich ist es gelungen, innerhalb der Gruppe von „vergrünenden Streptokokken“ eine neue Bakterien-Art zu beschreiben.Vergrünende Streptokokken greifen rote Blutkörperchen (Erythrozyten) an und bauen deren Hämoglobin ab, wodurch grünliche Abbauprodukte entstehen. Diese Bakterien sind zwar normale Besiedler der Mundhöhle,sie können aber ins Blut eingeschwemmt werden und so Infektionen verursachen. Am häufigsten sind die Bakterien assoziiert mit Infektionen der Herzklappen.

Vermeidbare Klinikinfektionen wegen schlechter Mundhygiene

Bei Krankenhausbehandlungen wird häufig die orale Gesundheit übersehen. Britische Wissenschaftler überprüfen dazu Daten aus Großbritannien, den USA, Frankreich und den Niederlanden. Es wurden während der Klinikbehandlungen steigende Plaque-Werte sowie Zahnfleisch- und Schleimhautentzündungen identifiziert. Die Ergebnisse waren am Schlimmsten bei Patienten, die bei der Atmung unterstützt wurden. Die Studie kommt zum Schluss, dass auch Atemwegserkrankungen aus schlechter oraler Gesundheit und Mundhygiene resultieren können.

Parodontaltherapie reduziert kardiovaskuläres Risiko

Eine neue Studie von Wissenschaftlern aus Chile und Dänemark  spricht dafür. Die systemische Entzündung- wie sie bei MetS und der Parodontitis gefunden wird- ist dafür verantwortlich, dass diese Erkrankungen mit einem höheren Risiko für Atherosklerose einhergehen. Die „Reduktion von parodontaler Entzündung reduzierte díe CRP- Spiegel nach neun Monaten bei Patienten mit MetS signifikant“, schlussfolgern die Autoren. Zwar ist nicht bewiesen, dass die PA in Korrelation zum Krankheitsausbruch steht, aber sehr wohl eine deutliche Korrelation zwischen diagnostizierten Erkrankungen bzw. Infarkten und einer ebenso vorhandenen Parodontitis.

Parodontitis verantworlich für Halitosis

„Belegt ist Vergesellschaftung von Parodontitis marginalis und Halitosis“, erklärt Dr. Clemens Walter auf dem 3. Deutschen Halitsostag in Berlin. Parodontale Taschen seien mit einem pathogenen Biofilm besiedelt. Die mikrobielle Zusammensetzung innerhalb dieser Struktur ändere sich im Verlaufe der Krankheit von einer Gingivitis zur Parodontitis. Neben einer Schädigung des Parodontiums durch die Immunantwort auf den bakteriellen Reiz produzierten diese Bakterien zahlreiche chemische Verbindungen, die eben auch von schlechten Atem hervorrufen.

Zahnärzte haben entscheidende Aufklärungsfunktion

Die vorangegangene Berichte zeigen, dass den Zahnärzten bei der Aufklärung eine besondere Rolle zukommt. Denn es sind häufig zahnärztliche Untersuchungen, bei denen sich erste Anzeichen für eine eventuelle Erkrankung offenbaren. Zahnärzte sollten in diesem Fall ihren Patienten dazu raten zum Hausarzt beziehungsweise Facharzt zu gehen, um klären zu lassen, ob eine weiterfolgende Erkrankung bereits vorliegt. Die Zahnärzte sollten darüber hinaus geeignete Maßnahmen der Behandlung aufzeigen, welche eine Erkrankung zum einen vermeiden helfen und zum anderen die Auswirkungen einer bereits vorhandenen Erkrankung positiv beeinflussen.

Therapieansatz

Hier kommt der FMD  (Full-Mouth-Disinfection) eine besondere Rolle zu. Es gilt effektiv,mit geringsmöglichen Nebenwirkungen, und gleichzeitig ergonomisch zu therapieren. Dabei ist die FMD mit Jod oder Chlorhexedin ein Weg, aufgrund ihres Aufwandes und der Belastung für den Patienten aber meinerseits weniger empfehlenswert. Alternativ bietet sich die seit kurzem in der Presse ausgelobte *Plasma-Medizin an.

Unter Zuhilfenahme eines doppelseitigen Silikonabdrucklöffels ist es nun erstmal möglich, innerhalb weniger Minuten sämtliche Parodontien in einem einzigen Arbeitsgang zu desinfizieren und damit die Keim-Flora wieder auf ein gesundes Milieuverhältnis zu bringen, wodurch es zu einem schnellen systemischen Heilungsprozess kommt. Resistenzen sind dabie ausgeschlossen, das heißt, dass auch MRSA-Keime auf diesem Wege in wenigen Minuten eliminiert werden. Dies ist eine ebenso effektive wie ergonomische FMD, ohne den Patienten zu belasten und- was hervorzuheben ist- ohne die Verabreichung von Antibiotika.

*Was ist Plasma-Medizin?

Kaltes Plasma ist-vereinfacht ausgedrückt-Luft, zerlegt in seine winzigen Bestandteile Elektronen,Ionen,Atome,Moleküle,welche freigesetzt eine hohe Keimtötende Aktivität entwickeln, und dies ohne den Patienten dabei in irgendeiner Form zu belasten. Hierfür ist eine neue Geräteinnovation notwendig, wie bereits im vorangegangen Absatz erwähnt. Der Passus “ kalt“ steht dafür, dass es sich um eine Form Raumtemperatur handelt und keine  höheren Temperaturen, wie sie in der Regel mit Plasma in Verbindung gebracht werden, auftreten.

Quelle: „Dental Barometer“

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