Halitosis- „Ansprache durch den Mediziner erfordert viel Feingefühl“

„Ästhetik der Olfaktorik“

Düfte und Gerüche nehmen in den letzten Jahren einen zunehmend größeren Platz in der Zahnarztpraxis ein. Denn neben Zahnbehandlungen und -ästhetik sind die Mediziner auch erster Ansprechpartner wenn es um Mundgeruch geht. Wie sprechen Sie auf das Tabuthema an, welche Ursachen in Frage kommen und wie therapiert werden sollte.

Wie erleben Sie Mundgeruch in Ihrer täglichen Praxis?

Ein angenehmer und frischer Atem ist Menschen heutzutage oft genauso wichtig wie eine strahlende Erscheinung der Zähne. Und das zu Recht, denn menschliches Verhalten ist stark von Gerüchen beeinflusst und nicht selten entscheidet die „Ästhetik der Olfaktorik“ über Sympathie oder Antipathie. Dennoch fällt es Patienten schwer, das Thema Mundgeruch anzusprechen. Wahrscheinlich weil viele bereits die leidvolle Erfahrung gemacht haben, dass andere Menschen auf Abstand gehen und nicht immer ist ihnen der Grund bewusst. Die Ansprache ,vorallemdurch den Mediziner, erfordert deshalb viel Feingefühl. Der professionelle Kontext und eine ursächliche Analyse nimmt dem Thema jedoch meistens den Schrecken. Im Anschluss sind die Patienten in der Regel dankbar für die Offenheit – zumal den meisten geholfen werden kann.

Was sind die häufigsten zahnmedizinischen Ursachen für Halitosis?

Man kann generell sagen, dass sich bei Mundgeruch in 80% bis 90% die Ursache in der Mundhöhle befindet. Die unangenehm riechenden Substanzen, allen voran flüchtige Schwefelverbindungen wie Schwefelwasserstoff oder Dimethylmerkaptan entstehen, wenn meist anaerobe gramnegative Keime organische Substanzen aus Speichel, Nahrungsresten oder abgeschilferten Epithelzellen abbauen. Die verursachenden Keime können sich in „Schlupfwinkeln“ der Mundhöhle wie beispielsweise Interdentalräumen, parodontalen Taschen und überstehenden Restaurationsrändern befinden. In vielen Fällen oral bedingter Halitosis spielen auch Beläge des dorsalen Anteils des Zungenrückens eine wichtige Rolle und sind geeignete Brutstätten für entsprechende Mikroorganismen. Der Zunge kommt demnach eine ganz besondere Bedeutung zu, weil sie eine verhältnismäßig große Oberfläche besitzt und damit viele flüchtige Substanzen in die Mundhöhle abgeben kann.

Kann auch Mundtrockenheit zu einer Geruchsbildung führen?

Ja, denn Mundgeruch entsteht, da sich Keime im trockenen Mund wesentlich schneller ausbreiten und nicht durch den natürlichen Speichelfluss beseitigt werden. Ursache kann beispielsweise die Einnahme bestimmter Medikamente sein. Auch nimmt mit höherem Lebensalter die Speichelproduktion ab. Der bekannte Mundgeruch am Morgen entsteht ebenfalls durch Mundtrockenheit. Die meisten Menschen schlafen mit offenem Mund und atmen durch die Nase, so produzieren sie weniger Speichel.

Kommen weitere Ursachen in Frage?

Selten, aber in wenigen Fällen verweise ich Patienten an einen Allgemeinmediziner. Er wird feststellen, ob vielleicht eine Entzündung der Kiefer- oder Nebenhöhlen, eine Stoffwechselstörung wie Diabetes oder eine andere Erkrankung vorliegt. Sind Rauchen, Stress oder Schnarchen die Auslöser, sind Spezialisten für eine Raucher-Entwöhnungstherapie, sowie Psychologen oder Schlafmediziner an der Reihe. Außerdem gibt es Menschen, die nur glauben, dass sie ein Mundgeruchsproblem haben. Die Psychologie nennt eine solche Angst- oder Zwangsstörung Halitophobie – diese Betroffenen verweise ich an entsprechende Spezialisten.

Wie sieht die Behandlung von Mundgeruch im Einzelnen aus?

Sind die zahnmedizinischen Probleme behoben, verschwindet meistens auch der Mundgeruch. Insofern sllten vorhandene Löcher und Lücken durch Füllungen oder Zahnersatz geschlossen werden. Dadurch werden etwaige Bakterien-ansammlungen beseitigt. Mittels hygienischer, medikamentöser oder chirurgischer Maßnahmen gehe ich zudem gegen eine oftmals diagnostizierte Parodontitis und damit verbundene Bakterienherde vor. Regelmäßige Kontrollen und Prophylaxebehandlungen beugen erneuten bakteriellen Belägen und Mundgeruchsproblemen vor.

Was empfehlen Sie Ihren Patienten?

Die häusliche Mundhygiene ist entscheidend für die Erhaltung eines intakten Gebisses, aber eben auch zur Bekämpfung von Mundgeruch. Außer Zähneputzen nach den Mahlzeiten gehört dazu der tägliche Gebrauch von Zahnseide oder Interdentalbürsten sowie die Reinigung der Zunge mit einem Zungenschaber. Ausreichendes Trinken sowie zuckerfreie Kaugummis oder Bonbons regen die Speichelproduktion an, was einem trockenen Mund vorbeugt. Oftmals fragen Patienten nach, was Sie zusätzlich für einen frischen Atem tun können. Chlorophyll-Dragees können anhand des natürlichen Wirkstoffs Chlorophyllin-Kupfer-Komplex Stoffwechselprozesse beeinflussen und somit die Entstehung unerwünschter Gerüche von innen heraus bekämpfen. Wer sich also noch sicherer fühlen möchte, ergänzt seine tägliche Mundhygiene durch Chlorophyll-Dragees für angenehmen Atem.

Quelle: „Dental Barometer“

Leave a Reply