Archive for Juli, 2012

Mundgesundheit beinflusst Allgemeingesundheit

Donnerstag, Juli 19th, 2012

Die alleinige reparative Zahnheilkunde ist nicht mehr auf dem aktuellen Stand. Obwohl noch vielfach praktiziert, ist sie out. Am Zahn hängt ein ganzer Mensch, der Mundraum kann die Ursache vielerlei Übels sein. Die Hinwendung von immer mehr Zahnärzten zur ganzheitlichen Zahnmedizin erfordert ein Wissen Zahnarztes sowie seines Teams über den Tellerrand der Zahnmedizin hinaus. So steht zum Beispiel der Zahnverlust selbst als finale Konsequenz unbehandelter Parodontitis eher am Ende der medizinischen Wichtigkeitsskala, wie nachfolgende Berichte zeigen.

Zahnarzt wichtig für Diabetesmanagment

Anlässlich des Kongresses „Innere Medizin- fachübergreifend: Diabetologie grenzenlos“, im Februar 2012, verweist Prof. Dr. Dietmar Österreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer, auf den Einfluss der oralen Gesundheit auf die Allgemeingesundheit. Aufgrund der Erkenntnisse über die Wechselwirkungen- vor allem zwischen Diabetes und Parodontitis- stellen die Parodontitis-Praävention,-Therapie und -Nachsorge ein wichtiges Bindeglied zwischen der Zahnheilkunde und der Diabetologie dar.

„Die medizinische Kompetenz des Zahnarztes und des zahnärztlichen Teams muss gestärkt werden“, so Prof. Österreich. „Bakteriengifte im oralen Bereich begünstigen Diabetis mellitus. In Deutschland gibt es etwa sechs Millionen diagnostizierte Diabetiker, und nach jüngsten Untersuchungen werden es nicht nur immer mehr, die Patienten werden auch immer jünger.“

Zahnarzt wichtig vor Krebsbehandlung

Einer Aufklärung des Patienten durch den Zahnarzt kommt eine hohe Bedeutung zu und das nicht erst bei einer bereits diagnostizierten Krebserkrankung. Wenn ein Brustkrebs metastasiert, dann sind in etwa zwei von drei Fällen die Knochen betroffen. Während der knochenschützenden Therapie sollten Patienteninnen regelmäßig mindestens alle sechs Monate zum Zahnarzt gehen und eine FMD (Full-Mouth-Disinfection) durchführen lassen, sowie eine sehr gute Mundhygiene sollten sorgfältig vermieden werden, alle Parodontose-Herde sollten vor der Krebsbehandlung versorgt und ausgeheilt sein, um mögliche Infektionen und damit verbundene Eingriffe  während einer Therapie bestmögliche zu vermeiden (prätherapeutische Sanierung und Erhaltung). Durch diese Maßnahmen kann das Risiko, eine Nekrose der Kieferknochen zu erleiden, laut Statistik um bis zu 80% gesenkt werden. US-Forscher haben zudem in Darmkrebstumoren genetisches Material eines ansonsten im Darm seltenen Bakteriums nachgewiesen. Der Erreger findet sich eher in der Mundhöhle, wo er mit Karies und Parodontose in Verbindung gebracht wird.

Streptokokken greifen Erythrozyten an

Mitarbeitern des Instituts für Medizinische Mikrobiologie der Universität Zürich ist es gelungen, innerhalb der Gruppe von „vergrünenden Streptokokken“ eine neue Bakterien-Art zu beschreiben.Vergrünende Streptokokken greifen rote Blutkörperchen (Erythrozyten) an und bauen deren Hämoglobin ab, wodurch grünliche Abbauprodukte entstehen. Diese Bakterien sind zwar normale Besiedler der Mundhöhle,sie können aber ins Blut eingeschwemmt werden und so Infektionen verursachen. Am häufigsten sind die Bakterien assoziiert mit Infektionen der Herzklappen.

Vermeidbare Klinikinfektionen wegen schlechter Mundhygiene

Bei Krankenhausbehandlungen wird häufig die orale Gesundheit übersehen. Britische Wissenschaftler überprüfen dazu Daten aus Großbritannien, den USA, Frankreich und den Niederlanden. Es wurden während der Klinikbehandlungen steigende Plaque-Werte sowie Zahnfleisch- und Schleimhautentzündungen identifiziert. Die Ergebnisse waren am Schlimmsten bei Patienten, die bei der Atmung unterstützt wurden. Die Studie kommt zum Schluss, dass auch Atemwegserkrankungen aus schlechter oraler Gesundheit und Mundhygiene resultieren können.

Parodontaltherapie reduziert kardiovaskuläres Risiko

Eine neue Studie von Wissenschaftlern aus Chile und Dänemark  spricht dafür. Die systemische Entzündung- wie sie bei MetS und der Parodontitis gefunden wird- ist dafür verantwortlich, dass diese Erkrankungen mit einem höheren Risiko für Atherosklerose einhergehen. Die „Reduktion von parodontaler Entzündung reduzierte díe CRP- Spiegel nach neun Monaten bei Patienten mit MetS signifikant“, schlussfolgern die Autoren. Zwar ist nicht bewiesen, dass die PA in Korrelation zum Krankheitsausbruch steht, aber sehr wohl eine deutliche Korrelation zwischen diagnostizierten Erkrankungen bzw. Infarkten und einer ebenso vorhandenen Parodontitis.

Parodontitis verantworlich für Halitosis

„Belegt ist Vergesellschaftung von Parodontitis marginalis und Halitosis“, erklärt Dr. Clemens Walter auf dem 3. Deutschen Halitsostag in Berlin. Parodontale Taschen seien mit einem pathogenen Biofilm besiedelt. Die mikrobielle Zusammensetzung innerhalb dieser Struktur ändere sich im Verlaufe der Krankheit von einer Gingivitis zur Parodontitis. Neben einer Schädigung des Parodontiums durch die Immunantwort auf den bakteriellen Reiz produzierten diese Bakterien zahlreiche chemische Verbindungen, die eben auch von schlechten Atem hervorrufen.

Zahnärzte haben entscheidende Aufklärungsfunktion

Die vorangegangene Berichte zeigen, dass den Zahnärzten bei der Aufklärung eine besondere Rolle zukommt. Denn es sind häufig zahnärztliche Untersuchungen, bei denen sich erste Anzeichen für eine eventuelle Erkrankung offenbaren. Zahnärzte sollten in diesem Fall ihren Patienten dazu raten zum Hausarzt beziehungsweise Facharzt zu gehen, um klären zu lassen, ob eine weiterfolgende Erkrankung bereits vorliegt. Die Zahnärzte sollten darüber hinaus geeignete Maßnahmen der Behandlung aufzeigen, welche eine Erkrankung zum einen vermeiden helfen und zum anderen die Auswirkungen einer bereits vorhandenen Erkrankung positiv beeinflussen.

Therapieansatz

Hier kommt der FMD  (Full-Mouth-Disinfection) eine besondere Rolle zu. Es gilt effektiv,mit geringsmöglichen Nebenwirkungen, und gleichzeitig ergonomisch zu therapieren. Dabei ist die FMD mit Jod oder Chlorhexedin ein Weg, aufgrund ihres Aufwandes und der Belastung für den Patienten aber meinerseits weniger empfehlenswert. Alternativ bietet sich die seit kurzem in der Presse ausgelobte *Plasma-Medizin an.

Unter Zuhilfenahme eines doppelseitigen Silikonabdrucklöffels ist es nun erstmal möglich, innerhalb weniger Minuten sämtliche Parodontien in einem einzigen Arbeitsgang zu desinfizieren und damit die Keim-Flora wieder auf ein gesundes Milieuverhältnis zu bringen, wodurch es zu einem schnellen systemischen Heilungsprozess kommt. Resistenzen sind dabie ausgeschlossen, das heißt, dass auch MRSA-Keime auf diesem Wege in wenigen Minuten eliminiert werden. Dies ist eine ebenso effektive wie ergonomische FMD, ohne den Patienten zu belasten und- was hervorzuheben ist- ohne die Verabreichung von Antibiotika.

*Was ist Plasma-Medizin?

Kaltes Plasma ist-vereinfacht ausgedrückt-Luft, zerlegt in seine winzigen Bestandteile Elektronen,Ionen,Atome,Moleküle,welche freigesetzt eine hohe Keimtötende Aktivität entwickeln, und dies ohne den Patienten dabei in irgendeiner Form zu belasten. Hierfür ist eine neue Geräteinnovation notwendig, wie bereits im vorangegangen Absatz erwähnt. Der Passus “ kalt“ steht dafür, dass es sich um eine Form Raumtemperatur handelt und keine  höheren Temperaturen, wie sie in der Regel mit Plasma in Verbindung gebracht werden, auftreten.

Quelle: „Dental Barometer“

Halitosis- „Ansprache durch den Mediziner erfordert viel Feingefühl“

Donnerstag, Juli 19th, 2012

„Ästhetik der Olfaktorik“

Düfte und Gerüche nehmen in den letzten Jahren einen zunehmend größeren Platz in der Zahnarztpraxis ein. Denn neben Zahnbehandlungen und -ästhetik sind die Mediziner auch erster Ansprechpartner wenn es um Mundgeruch geht. Wie sprechen Sie auf das Tabuthema an, welche Ursachen in Frage kommen und wie therapiert werden sollte.

Wie erleben Sie Mundgeruch in Ihrer täglichen Praxis?

Ein angenehmer und frischer Atem ist Menschen heutzutage oft genauso wichtig wie eine strahlende Erscheinung der Zähne. Und das zu Recht, denn menschliches Verhalten ist stark von Gerüchen beeinflusst und nicht selten entscheidet die „Ästhetik der Olfaktorik“ über Sympathie oder Antipathie. Dennoch fällt es Patienten schwer, das Thema Mundgeruch anzusprechen. Wahrscheinlich weil viele bereits die leidvolle Erfahrung gemacht haben, dass andere Menschen auf Abstand gehen und nicht immer ist ihnen der Grund bewusst. Die Ansprache ,vorallemdurch den Mediziner, erfordert deshalb viel Feingefühl. Der professionelle Kontext und eine ursächliche Analyse nimmt dem Thema jedoch meistens den Schrecken. Im Anschluss sind die Patienten in der Regel dankbar für die Offenheit – zumal den meisten geholfen werden kann.

Was sind die häufigsten zahnmedizinischen Ursachen für Halitosis?

Man kann generell sagen, dass sich bei Mundgeruch in 80% bis 90% die Ursache in der Mundhöhle befindet. Die unangenehm riechenden Substanzen, allen voran flüchtige Schwefelverbindungen wie Schwefelwasserstoff oder Dimethylmerkaptan entstehen, wenn meist anaerobe gramnegative Keime organische Substanzen aus Speichel, Nahrungsresten oder abgeschilferten Epithelzellen abbauen. Die verursachenden Keime können sich in „Schlupfwinkeln“ der Mundhöhle wie beispielsweise Interdentalräumen, parodontalen Taschen und überstehenden Restaurationsrändern befinden. In vielen Fällen oral bedingter Halitosis spielen auch Beläge des dorsalen Anteils des Zungenrückens eine wichtige Rolle und sind geeignete Brutstätten für entsprechende Mikroorganismen. Der Zunge kommt demnach eine ganz besondere Bedeutung zu, weil sie eine verhältnismäßig große Oberfläche besitzt und damit viele flüchtige Substanzen in die Mundhöhle abgeben kann.

Kann auch Mundtrockenheit zu einer Geruchsbildung führen?

Ja, denn Mundgeruch entsteht, da sich Keime im trockenen Mund wesentlich schneller ausbreiten und nicht durch den natürlichen Speichelfluss beseitigt werden. Ursache kann beispielsweise die Einnahme bestimmter Medikamente sein. Auch nimmt mit höherem Lebensalter die Speichelproduktion ab. Der bekannte Mundgeruch am Morgen entsteht ebenfalls durch Mundtrockenheit. Die meisten Menschen schlafen mit offenem Mund und atmen durch die Nase, so produzieren sie weniger Speichel.

Kommen weitere Ursachen in Frage?

Selten, aber in wenigen Fällen verweise ich Patienten an einen Allgemeinmediziner. Er wird feststellen, ob vielleicht eine Entzündung der Kiefer- oder Nebenhöhlen, eine Stoffwechselstörung wie Diabetes oder eine andere Erkrankung vorliegt. Sind Rauchen, Stress oder Schnarchen die Auslöser, sind Spezialisten für eine Raucher-Entwöhnungstherapie, sowie Psychologen oder Schlafmediziner an der Reihe. Außerdem gibt es Menschen, die nur glauben, dass sie ein Mundgeruchsproblem haben. Die Psychologie nennt eine solche Angst- oder Zwangsstörung Halitophobie – diese Betroffenen verweise ich an entsprechende Spezialisten.

Wie sieht die Behandlung von Mundgeruch im Einzelnen aus?

Sind die zahnmedizinischen Probleme behoben, verschwindet meistens auch der Mundgeruch. Insofern sllten vorhandene Löcher und Lücken durch Füllungen oder Zahnersatz geschlossen werden. Dadurch werden etwaige Bakterien-ansammlungen beseitigt. Mittels hygienischer, medikamentöser oder chirurgischer Maßnahmen gehe ich zudem gegen eine oftmals diagnostizierte Parodontitis und damit verbundene Bakterienherde vor. Regelmäßige Kontrollen und Prophylaxebehandlungen beugen erneuten bakteriellen Belägen und Mundgeruchsproblemen vor.

Was empfehlen Sie Ihren Patienten?

Die häusliche Mundhygiene ist entscheidend für die Erhaltung eines intakten Gebisses, aber eben auch zur Bekämpfung von Mundgeruch. Außer Zähneputzen nach den Mahlzeiten gehört dazu der tägliche Gebrauch von Zahnseide oder Interdentalbürsten sowie die Reinigung der Zunge mit einem Zungenschaber. Ausreichendes Trinken sowie zuckerfreie Kaugummis oder Bonbons regen die Speichelproduktion an, was einem trockenen Mund vorbeugt. Oftmals fragen Patienten nach, was Sie zusätzlich für einen frischen Atem tun können. Chlorophyll-Dragees können anhand des natürlichen Wirkstoffs Chlorophyllin-Kupfer-Komplex Stoffwechselprozesse beeinflussen und somit die Entstehung unerwünschter Gerüche von innen heraus bekämpfen. Wer sich also noch sicherer fühlen möchte, ergänzt seine tägliche Mundhygiene durch Chlorophyll-Dragees für angenehmen Atem.

Quelle: „Dental Barometer“

Anästhesisten machen Narkose sicher: Deutsche Sicherheitsstandartszählen zu den besten in Europa

Donnerstag, Juli 19th, 2012

Checklisten wie aus der Luftfahrt,ausgeklügelte Fehlermeldesysteme und einheitliche Farbkennzeichnungen von Spritzen sind Beispiele, wie die Patientensicherheit im Arbeitsalltag von Anästhesisten gewährleistet wird. Ein Bündel solcher Maßnahmen hat die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V.(DGAI) im Rahmen der Helsinki- Deklaration verabschiedet. Die in der europäischen Initiative zur Patientensicherheit geforderten Qualitätsstandards wurden innerhalb von zwölf Monaten von der DGAI in Zusammenarbeit mit dem Berufsverband Deutscher Anästhesisten e.V.(BDA) umgesetzt. Im Bereich der Fehlermeldesysteme hat das deutsche Modell eine internationale Vorreiterrolle erlangt.

Mit der Gründung eines „Nationalen Forschungszentrum AINS“ will die DGAI neben der Patientensicherheit auch die Bedeutung der Anästhesiologie für den Heilverlauf konsequent weiter entwickeln. Diese Aktivitäten zur Optimierung der Patientensicherheit sind gerade vor dem Hintergrund der dermografischen Entwicklung und es Ärztemangels dringend notwendig.  Dies berichteten Vertreter der DGAI und des BDA anlässlich des Deutschen Anästhesiecongress (DAC) in Leipzig.

„Die Anästhesiologie trägt seit jeher große Verantwortung für die Qualität und für die Sicherheit der Patienten in der Anästhesie,Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie sowie der Palliativmedizin“, erläutert Prof. Dr. med. Walter Schaffartzik,Kongresspräsident des DAC, das Kongressmotto „Anästhesieologie bedeutet Patientensicherheit“ im Rahmen einer Pressekonferenz. Die seit Juni 2010 geltenden europaweiten Maßnahmen zur  Patientensicherheit, die mit der Helsinki-Deklaration 2010 verabschiedet und von den deutschen Anästhesisten als erste innerhalb von zwölf Monaten umgesetzt wurden, bieten hierzulande einen hohen Sicherheitsstandard.

Damit wurde die Grundlage geschaffen, dass jede anästhesiologische Abteilung-  egal ob es sich um eine große Universitätsklinik oder ein kleineres Krankenhaus  handelt- alle Handlungsanweisungen und Vorrausetzungen der Helsinki- Deklaration in die eigenen Arbeitsstrukturen umsetzen kann. Für die Patienten bedeutet dies, dass anästhesieassoziierten Mortalitätsrisiko von 0,04 pro 10.000 Narkosen so sicher wie noch nie sind. „Dies wird im Rahmen von jährlich rund 10 Millionen Anästhesien in Deutschland, an denen ca. 18.500 Fachärzteninnen und Fachärzte für Anästhesiologie und weiter rund 5.000 Weiterbildungsassistenten mitwirken, Tag für Tag bestätigt“, bekräftigt Werner.

Demografische Entwicklung – Herausforderung für die Anästhesisten

Die demografische Entwicklung wird die Anästhesie in den kommenden Jahren vor erhebliche Herausforderungen stellen. Denn die zu behandelnden Patienten werden immer älter und sind oft von vielen Erkrankungen gleichzeitig betroffen, wie z. B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen. „Wurden 2006 rund 190.000 über 80-jährige Patienten hierzulande an den Verdauungsorganen operiert, waren es 2009 bereits über 300.000. Gleichzeitig ist die Zahl der notwendigen Operationen insgesamt um über 2 Millionen gestiegen“, so der Vizepräsident der DGAI, Prof. Dr. med. Christian Werner, Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Universitätsklinikum der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Da das Risiko für Narkosekomplikationen bei älteren und oftmals multimorbiden Patienten höher ist als bei gesunden, kommt es aufgrund der demografischen Entwicklung zu einem rein rechnerisch bedingten Anstieg des Sterberisikos auf 2,7 pro 10.000 Narkosen [1]. Ein Grund mehr, die Sicherheit der Anästhesie weiter zu optimieren.

Deutsches Fehlermeldesystem CIRS-AINS setzt internationale Standards

Wie in der Helsinki-Deklaration gefordert, sind Patientensicherheits- und Fehlermeidungssysteme (CIRS) ein fester Bestandteil der Sicherheitsstruktur in anästhesiologischen Abteilungen. Gemäß dem Prinzip „Lernen aus Fehlern“ werden freiwillig und anonym gemeldete, sicherheitsrelevante Ereignisse analysiert und als Lehrmaterial aufbereitet. Einzigartig ist, dass durch einzelne Ereignisse Einblicke in mögliche systematische Schwachstellen und Problembereiche erlangt werden und durch deren Verbesserung die Patientensicherheit nachhaltig erhöht werden kann. Mit CIRSmedical Anästhesiolgie (CIRS-AINS) steht in Deutschland die größte fachspezifische Fehlermeldeplattform in der Medizin zur Verfügung. „Auch im internationalen Vergleich setzt das deutsche Meldesystem Standards. Weltweit wird auf das deutsche Know-how zurückgegriffen“, erläutert der DGAI-Generalsekretär Prof. Dr. med. Dr. h.c. Hugo Van Aken, Direktor der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie am Universitätsklinikum Münster.

Patientensicherheit weiter stärken: Nationales Forschungszentrum AINS

Mit diesem Status quo gibt sich die DGAI nicht zufrieden, sondern initiiert kontinuierlich weitere Maßnahmen zur Optimierung der Patientensicherheit. So wurde das Fehlermeldesystem CIRS-AINS, das anfänglich nur in Kliniken initialisiert war, auf den ambulanten Bereich ausgeweitet. Mit der Gründung eines „Nationalen Forschungszentrums AINS“ soll eine zentrale Datenbank mit unter anderem anästhesiologischen und intensivmedizinischen Daten aufgebaut werden. Somit sollen neue Handlungsfelder mit Zukunftspotential identifiziert, klinische Studien gefördert, Behandlungsformen analysiert und Versorgungsforschung durchgeführt werden. Zudem hat die Stiftung Deutsche Anästhesiologie erstmals den „Safe-Anaesthesia-Award“ verliehen. „Mit dem Preis werden herausragende Projekte und wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der Patientensicherheit in der Anästhesiologie gewürdigt“, erklärt der Stiftungsvorstand Prof. Dr. med. Dr. h.c. Klaus van Ackern. Der diesjährige Preis wurde Dr. med. Michael St.Pierre, Oberarzt der Anästhesiologischen Klinik, Universitätsklinikum Erlangen, verliehen. Er hat die Effektivität von CIRS-AINS maßgeblich im Hinblick auf die Sicherstellung des organisationellen Lernens sowie der Begleitung von Veränderungen vor Ort in Kliniken weiterentwickelt.

Gegen den Ärztemangel – Nachwuchsgewinnung hat oberste Priorität

„Ein Mangel an qualifiziertem Nachwuchs – wie er in allen anderen Facharztgruppen auch herrscht – birgt zunehmend die Gefahr, dass eine durchgängige qualitativ hochwertige Patientenbetreuung nicht mehr zur Verfügung steht“, beschreibt der Präsident des BDA, Prof. Dr. med. Götz Geldner, Direktor der Klinik für Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie am Klinikum Ludwigsburg-Bietigheim gGmbH, die Konsequenzen des Ärztemangels für die Anästhesiologie. Einer Umfrage des BDA [2] zufolge sind in 50 Prozent aller Anästhesieabteilungen – meist unabhängig von der Größe und der Art des Krankenhauses – die Arztstellen nicht besetzt. Dies betrifft vor allem Krankenhäuser in strukturschwachen Gebieten. Als Reaktion auf den Ärztemangel haben DGAI und BDA gemeinsam die bundesweite Kampagne „Mein Pulsschlag“ zur Gewinnung von Anästhesisten-Nachwuchs gestartet. Seit 2010 werden Medizinstudenten sowie jungen Ärztinnen und Ärzten die Attraktivität der Anästhesiologie durch zahlreiche Aktionen und Informationsangebote näher gebracht.

Fazit: Narkosen sind so sicher wie noch wie

„Wir stehen mit all unseren Programmen im europäischen Vergleich mit in der vordersten Reihe“, bewertet Van Aken, auf dessen Initiative die Helsinki- Deklaration entstanden ist, den deutschen Sicherheitsstandard. „Für den Patient bedeutet dies, dass Narkosen so sicher wie noch nie sind“, so der DGAIGeneralsekretär. Dennoch ist nach Auffassung von Van Aken eine verbesserte Finanzierung der Weiterbildung unumgänglich. „Aufgrund der vorgestellten Rahmenbedingungen und den gestiegenen Anforderungen in der Weiterbildung sowie den höheren ethischen Standards ist die Weiterbildung an teilweise multimorbiden Patienten heutzutage nicht mehr akzeptabel. Vor allem auch vor dem Hintergrund, dass effektives Lernen an Simulatoren möglich ist. Daher benötigen wir dringend eine verbesserte Finanzierung der Weiterbildung“, fasst Van Aken abschließend seine Forderung zusammen.

Quelle: „Dental Barometer“