Rettung für Kinderzähne

Jugendliche verlieren heute weit mehr Zähne durch einen Unfall als durch Karies. Das müsste nicht sen: Ausgeschlagene Zähne kann der Zahnarzt wieder einsetzen- wenn sie richtig gelagert werden. Vorbildlich ist das Zahnrettungskonzept in Hildesheim: Schulen, Schwimmbäder und Sportvereine halten Zahnrettungsboxen bereit.

Auf dem Schulhof geht es hoch her, die Kinder rennen,toben,rangeln- plötzlich Schreie: Zwei Schüler sind unglücklich zusammengestoßen, ein Mädchen blutet aus einer Zahnlücke. Es hat sich einen der oberen Schneidezähne samt Wurzel ausgeschlagen.Ist der Zahn jetzt für immer verloren? Nicht unbedingt: Mit entsprechender Vorsorge kann ihn ein Zahnarzt wiedereinsetzen. Der Zahn muss in der Zwischenzeit nur richtig gelagert werden. Ärzte haben eine Flüssigkeit entwickelt, in der Zahn ein mindestens 24 Stunden überleben kann. „Es handelt sich um ein Transportmedium, wie man es von Organtransplantationen kennt“, sagt Professor Dr. Andreas Fillipi, Oralchirurg an der Universität Basel. Die Spezialflüssigkeit enthält alles, was Zähne und vor allem die empfindlichen Wurzelzellen zum Überleben brauchen.

Zelltod im Taschentuch 

„Ein Zahn hängt am Kiefer wie ein Bungee-Springer am Seil“, erklärt Professor Dr. Christian Splieht, Zahnmediziner an der Universität Greifswald. Spezielle Zellen auf der Wurzel produzieren eine Art Zement, der die Befestigung für das „Bungeeseil“ am Zahn bildet. Andere Zellen stellen ebendieses Seil  her, also die Verbindung zum Knochen. „Wenn diese Zellarten absterbe, ist der Zahn verloren“,ergänzt  Prof.  Fillipi. Er kann nach dem Wiedereinpflanzen nicht mehr sicher anwachsen. Ohne spezielles Lagermedium haben die Zellen kaum eine Chance. „Ganz schlecht ist es, den Zahn in ein Taschentuch einzuwickeln“, warnt Filippi. „Dann sind die Zellen an der Wurzel sofort tot.“ Auch den Zahn bis zum Arztbesuch im Mund zu behalten, bringt nicht viel: Dort attackieren Bakterien die Wurzeloberfläche. Das passiert in H-Milch zwar nicht- aber auch darin kann ein Zahn höchstens zwei Stunden überleben.

Zahnrettungsboxen an jeder Schule

„Schafft man es, den Zahn wieder einzupflanzen, lassen sich vor allem bei Kindern weitreichende Folgeschäden und-kosten vermeiden“, sagt Dr. Theodor Rittmeier, Vorsitzender der Hildesheimer Initiative für Zahngesundheit e.V. (HIZ). Ende Oktober 2011 hat die HIZ zusammen mit der Firma „Zahnexperten24“ in Stadt und Landkreis Hildesheim in über 300 Schule, Schwimmbädern und Sportvereinen Zahnrettungsboxen deponiert und die Lehrer, Schwimm- und Sportwarte im Umgang damit geschult. Etwa 10.000 € Euro schätzt, Rittermeier, kostet die zahnmedizinische Behandlung im Laufe eines Lebens, wenn einem zwölfjährigen Kind ein ausgeschlagener Schneidezahn nicht wieder eingesetzt wird. Brücken wachsen nicht mit und müssen über die Jahre mehrmals ausgetauscht werden; außerdem bildet sich der Kiefer zurück, was der Zahnarzt ebenfalls häufig und aufwändig korrigieren muss. Demgegenüber stehen für die Kostenträger überschaubare 100 bis 200 € für die Zahnrettungsboxen und das Wiedereinsetzen beim Zahnarzt. „Das lohnt sich für eine Versicherung, die für alle Kosten aufkommt, die der Unfall eines Kindes in der Schule nach sich zieht“, so Rittermeiers Kosten-Nutzen-Analyse. Die Bundeszahnärztekammer spricht sich dafür aus, dass in ganz Deutschland in allen Kindertagesstätten, Schulen,Sportanlagen und medizinischen Einrichtungen eine Zahnrettungsbox vorhanden ist. Dieses Ziel verfolgt auch die Firma Zahnexperten24 mit ihrer Kampagne „Zähne retten und schützen“: Sie widmet sich seit 2009 intensiv der flächendeckenden Einführung eines nachhaltigen Zahnrettungskonzepts.

Quelle: „Lückenlos“

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