Zahnpflege ist Herzenssache

Zwischen Mundgesundheit und Allgemeinbefinden besteht ein enger Zusammenhang. Beispiel Parodontitis: Die chronische Zahnbettentzündung erhöht das Infarktrisiko. Gründliches Zähneputzen ist also im wahrsten Sinne des Wortes eine Herzensangelegenheit.

Herzgesund beginnt im Mund. Denn chronische Zahnfleischentzündungen begünstigen die Entwicklung einer Arteriosklerose: Diese Schädigung der Blutgefäß verläuft schleichend über Jahrzehnte. Schreitet sie ungehindert fort, verengen sich die betroffenen Adern mehr und mehr. Schließlich können sie schlagartig verstopfen – passiert das in einem Herzkranzgefäß, erleidet der Patient einen Infarkt. Laut Weltgesundheitsorganisation handelt es sich bei Arteriosklerose um eine krankhafte Veränderung der Gefäßinnenwand, an der sich herdförmige Beläge bilden – bestehend aus Fetten, Kohlenhydraten, Blutbestandteilen, Bindegewebe und Kalzium (daher der Begriff ,,Verkalkung“). Kreislauferkrankungen wie Arteriosklerose und Bluthochdruck sind mit Abstand die häufigste Todesursache in Deutschland. Zu den Faktoren, die das individuelle Risiko für Infarkt und Schlaganfall erhöhen, zählen vor allem Übergewicht, Rauchen, ungesunde Ernährung. Bewegungsmangel, Stress – und Paradontitis

Volkskrankheit Parodontitis      
Wie die aktuelle Deutsche Mundgesundheitsstudie ergab, leidet jeder zweite Bundesbürger über 35 unter einer mittelschweren Form der Parodontitis. Bei etwa jedem zehnten Erwachsenen ist die Zahnbetterkrankung sogar stark fortgeschritten – das Zahnfleisch ist bereits weit zurückgewichen, viele Zahnhälse liegen frei. Warum leiden so viele Menschen unter Parodontitis, oft ohne es zu wissen? Auslöser für Zahnfleischentzündungen sind bakterielle Zahnbeläge. Sie bilden sich bevorzugt an Stellen, die beim Putzen regelmäßig nicht erreicht werden – das sind vor allem die Zahnzwischenräume. Wo selten oder nie eine Bürste hinkommt, entwickelt sich Plaque. Bleibt sie längere Zeit am Zahn haften, alarmieren giftige Stoffwechselprodukte der Plaque-Bakterien das Immunsystem – schon nach wenigen Wochen kann sich eine leichte Zahnfleischentzündung entwickeln.

Taschen im Zahnfleisch
Erfolgt weiterhin keine Reinigung, etabliert sich eine chronische Entzündung. Schließlich überfordern die permanenten Giftattacken der Bakterien das Immunsystem, es kann die Krankheitserreger nicht mehr in Schach halten. In seiner Not weicht das angegriffene Zahnfleischgewebe zurück – zwischen Zahnhals und Zahnfleisch bilden sich Spalten. Diese Taschen bieten den schädlichen Keimen ideale Schlupfwinkel: Sie können sich hier ungestört vermehren, da sie nun vor den Borsten der Zahn- und Zwischenraumbürsten sicher sind. In Zahnfleischtaschen brüten bevorzugt besonders aggresive Bakterien, die einem weiteren Abbau des Bindegewebes Vorschub leisten. Das Zahnfleisch geht deshalb immer mehr zurück, und die Infektion kann sich entlang der Zahnwurzel schließlich bis in den Kieferknochen ausbreiten

Mundkeime im Blut
Bei fortgeschrittener Parodontitis ist das komplette Zahnbett entzündet. Das bedroht auf die Dauer nicht nur den festen Halt der betroffenen Zähne – es stellt außerdem ein Gesundheitsrisiko für den ganzen Körper dar. Denn in den tiefen Zahnfleischtaschen kommt es durch den permanenten Angriff  der Bakterien  zu geschwürartigen Gewebeschädigungen, die den Keimen Tür und Tor in den Körper öffnen. Dann genügen schon alltägliche Aktivitäten wie Kauen oder Zähneputzen, um den Krankheitserregern das Eindringen in die Blutbahn zu ermöglichen. Je weiter eine Parodontitis fortschreitet, desto mehr Bakterien werden ins Blut eingeschwemmt. Über den Kreislauf können Parodontitiskeime bis in das Herz vordringen. Die Bakterien wandern in bestehende Kalkablagerungen an der Gefäßwand ein und lösen Entzündungsvorgänge aus, die das Fortschreiten der Arteriosklerose fördern. Mit der Plaque in den Adern wächst auch die Gefahr eines Herzinfarkts.         

Besonders kritisch: die Zahnzwischenräume
Nach derzeitigem wissenschaftlichem Kenntnisstand stellt Parodontitis einen eigenständigen Risikofaktor für Herz und Kreislauf dar. Sorgfältige Mundhygiene schützt also nicht nur die Zähne, sie dient auch der Allgemeingesundheit. Zweimal täglich mindestens zwei Minuten Zähneputzen mit der normalen Zahnbürste – das ist die Basis, genügt allein jedoch nicht, um Zahnfleischentzündungen vorzubeugen. Denn die kritischen Zahnzwischenräume werden dabei nicht gesäubert. Um auch sie zu reinigen, müssen einmal am Tag spezielle Hilfmittel zum Einsatz kommen: entweder Zahnseide oder Zwischenraumbürstchen. Sehr wichtig sind außerdem regelmäßige Besuche in der 
 Zahnarztpraxis. Bei der halbjährlichen Routinekontrolle kann der Zahnarzt Entzündungen im Zahnbett frühzeitig erkennen. Darüber hinaus empfiehlt es sich mindestens einmal pro Jahr in der Praxis eine professionelle Zahnreinigung (PZR) durchführen zu lassen. Diese Maßnahme trägt erheblich zur Vorsorge bei, da in ihrem Rahmen alle bakteriellen Beläge sowie Zahnstein und Verfärbungen entfernt werden. Eine aktuelle Studie zeigt, dass professionelle Zahnreinigungen die Gefahr für Herz und Kreislauf mindern: Teilnehmer, die im Beobachtungszeitraum von sieben Jahren regelmäßig zur PRZ in ihrer Zahnarztpraxis kamen, hatten um ein 24 Prozent vermindertes Infarktrisiko (Im Vergleich zu Personen, die nie eine PRZ durchführen ließen).

Warnsignale beachten                                           
Viele Menschen bemerken Zahnfleischentzündungen lange Zeit nicht, weil selbst eine fortgeschrittene Parodontitis in der Regel keine Schmerzen verursacht. Doch es gibt Warnsignale – wenn bei ihrem Auftreten baldmöglichst ein Zahnarztbesuch erfolgt, lässt sich die Erkrankung gewöhnlich schnell stoppen. Zu den ersten Anzeichen zählen Veränderungen des Zahnfleischs: Es ist leicht getötet oder geschwollen, an manchen Stellen weicht es vielleicht schon ein wenig zurück. Auch Zahnfleischbluten sollte man keinesfalls ignorieren, sondern als Alarmsignal ernst nehmen. Zu den Symptomen, die auf eine Zahnfleischentzündung hindeuten, zählt außerdem ein unangenehmer Mundgeruch. Auch wenn die Zahnhälse beim Verzehr kalter oder heißer Speisen und Getränke empfindlich reagieren, sollte die Ursache immer vom Zahnarzt 
 abgeklärt werden. Je früher eine Zahnfleischentzündung erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Im Anfangsstadium genügt es häufig, die Mundhygiene zu optimieren. Aber selbst eine fortgeschrittene Parodontitis kann der Zahnarzt erfolgreich behandeln – ganz ohne Bohrer.

Quelle:“Lückenlos“

Leave a Reply