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Fissurenversieglung – Wirksamer Kariesschutz für den Zahn

Mittwoch, April 7th, 2010

Karies – Gefahr für die Zähne !

Karies zerstört den Zahn

Karies ist eine Zahnkrankheit, in deren Verlauf die Zahnsubstanz durch Säureeinwirkung Zug um Zug zerstört wird. Die Säuren stemmen überwiegend von Bakterienstämmen, die den Mundraum besiedeln und die aufgenommene Nahrung (Kohlenhydrante-Zucker) zu Milchsäure vergären. Da sich diese Bakterien direkt auf der Zahnoberfläche in Zahnbelägen befinden, kann die produzierte Säure sofort den Zahn angreifen. Nahezu alle Menschen haben je nach individueller Konstitution mehr oder weniger „Kariesbakterien“ im Mundraum. Der menschliche Organismus ist auf diese Gefahren vorbereitet. Durch den Speichel werden die von den Bakterien produzierten Säuren neutralisiert und die angegriffene Zahnsubstanz wieder repariert. Dieses natürliche Gleichgewicht aus Zerstörung und Wiederaufbau der Zahnsubstanz kommt aus der Balance, wenn z.B. durch ungenügende Zahnhygiene ( Ausbreitung von Zahnbelägen ) die Menge an Plaquebakterien zunimmt und damit die Säurebelastung steigt.

Die Zahnreinigung hat Grenzen

Selbst eine gute häusliche Zahnreinigung erreicht nicht alle Zahnflächen. Insbesondere die Kauflächen der großen Backenzähne (Molaren), auch aber Front- und Eckzähne sind von spaltartigen kleinen Furchen (Fissuren) und/oder rundlichen Vertiefungen (Grübchen) durchsetzt. Hier bleibt die Zahnbürste wirkungslos, so dass sich Zahnbeläge bilden und Bakterien ungestört ansiedeln können – beste Bedingungen für eine Karies.

Die Fissurenversieglung

Die Idee der Fissurenversieglung ist es, die Furchen und Grübchen mit einem Füllmaterial zu verschließen. Dadurch werden zerklüftete Zahnreliefs geglättet, Angriffsanflächen für die Karies reduziert und es entsteht eine für die Zahnbürste gut zu reinigende Zahnoberfläsche. Als Versiegler kommen heute überwiegend dünnfließende kunststoffbasierte Materialien zum Einsatz, die nach dem Auftragen am Zahn entweder chemisch oder unter sichtbarem Licht aus sogenannten Polymerisationslampen aushärten. Am Beginn einer Behandlung steht immer eine Untersuchung des Zahnes auf bereits vorhandene Karies, um eine unbeabsichtigte Versieglung kariöser Fissuren zu vermeiden (die Karies könnte sich unter der Versieglung weiter ausbreiten und den Zahn zerstören). Sind die Fissuren kariesfrei, kann der Zahn sofort versiegelt werden. Wird dagegen Karies festgestellt, hängt es von der Ausdehnung der befallenen Areale ab, ob eine sogenannte erweiterte Fissurenversieglung (Fissuren werden „aufgebohrt“, kariöses Zahnmaterial wird entfernt) oder eine Füllungstherapie angezeigt ist.

Lebensdauer von Fissurenversiegelungen

Versiegelungen halten im allgemeinen 7-10 Jahre, wobei diese Angabe eher als ein statstischer Wert verstanden werden muss. Im Einzelfall kann eine Versieglung durchaus 20 Jahre halten. Andererseits besteht selbst bei sorgfältiger Arbeit besonders in den ersten 6 Monaten ein erhöhtes Risiko, die Versieglung zu verlieren. Deshalb sollte nach dieser Zeit immer eine Nachkontrolle erfolgen. Im Falle einer Materialverlustes kann ohne Probleme nachversiegelt werden.

Wann sollte versiegelt werden ?

Überall dort, wo sich Zahnbeläge ablagern können, steigt die Kariesgefahr. Dennoch müssen nicht gleich wahllos alle Zähne versiegelt werden. Die Frage, wann eine Versieglung sinnvoll ist, orientiert sich an Ihrem individuellen Kariesrisiko. Wir empfehlen Versieglungen bei

  • gefährdeten Fissuren und Grübchen an Milch- und bleibenden Backenzähnen, Einstülpungen an den Innenseiten von Front- und Eckzähnen
  • schwer zu reinigende Zahnflächen (zerklüftetes Zahnrelief)
  • andere ausgeprägte Kariesrisikofaktoren (z.B. kieferorthopädische Apparaturen, Mundtrockenheit)

Empfehlung

Fissurenversiegelung bei Milchzähnen

Milchzähne sind nicht so widerstandfähig wie bleibende Zähne. Deshalb ist der Schutz der empfindlichen Milchzähne wichtig und sinnvoll. Milchzähne sind Platzhalter für die bleibenden Zähne. Ein vorzeitiger Milchzahnverlust kann beim Zahnwechsel dazu führen, dass bleibende Zähne falsch durchbrechen und es zu Zahnfehlstellungen kommt. Eine Fissurenversiegelung ist vor allem dann anzuraten, wenn ein hohes Kariesrisiko besteht und die Zähne tiefe Fissuren aufweisen.

 Fissurenversiegelung bei Jugendlichen

Karies an den Kauflächen ist die häufigste Form der Karies bei Kindern und Jugendlichen. Deshalb ist eine Fissurenversieglung der bleibenden Zähne in diesem Alter besonders sinnvoll. Wichtig ist, dass die Zähne möglichst zeitnahe nach dem vollständigen Durchbruch versiegelt werden, damit sich Karies gar nicht erst entwickeln kann.

Fissurenversiegelung bei Erwachsenen

Die zahnmedizinische Forschung hat den positiven Effekt den Fissuresversiegelung überwiegend für die Anwendung bei Kindern und Jugendlichen herausgearbeitet. Für die Gruppe der Erwachsenen fehlt umfangreiches Datenmaterial. Dementsprechend unentscheiden ist das Meinungsbild unter Fachleuten zum Nutzen der Fissurenversiegelung bei Erwachsenen. Einerseits wird argumentiert, dass ein Zahn, der im Erwachsenenalter noch kariesfrei ist, seine Widerstandfähigkeit bereits bewiesen hat und eine Versiegelung unnötig sei. Andererseits ist es unstrittig, dass die Schaffung glatter, gut zu reinigender Zahnpberflächen (Reduktion von Zahnbelag) vorteilhaft für die Mundhygiene ist. Wir empfehlen besonders den jüngeren Erwachsenen (kariesfreier Zahn, zerklüftes Zahnrelief), im Gespräch mit dem Zahnarzt den möglichen Nutzen einer Fissurenversiegelung zu prüfen.

Behandlungsablauf

1. Untersuchung

Am Beginn einer Behandlung steht immer die Untersuchung der Fissuren auf bereits vorhandene Karies. Ein Problem dabei ist die sogenannte „versteckte Karies“, die sich unter der Zahnoberfläche entwickelt und für den Zahnarzt nur schwer zu erkennen ist. Im Zweifel müssen Röntgenaufnahmen abgefertigt und/oder spezielle Messungen durch geführt werden, um eine Diagnose stellen zu können.

 2. Reinigung der Fissuren

Zuerst müssen die zu versiegelnden Fissuren gereinigt werden. Anhafte Zahnbeläge werden wahlweise mit Pulvergeräten, rotierenden Bürsten oder sonstigen geeingten Instrumenten entfernt.

3. Trockenlegung und Vorbereitung

Nach der Reinigung wird der Zahn trockengelegt und dann mit Phosphorsäure-Gel angeätzt. Das schafft eine rauhe Oberfläche, auf der das Versiegelungsmaterial gut haften kann.

4. Versiegelung

Ist der Zahn vorbereitet, wird das Versiegelungsmaterial aufgebracht und durch Belichtung mit einer Halogenlampe ausgehärtet (Lichtpolymerisation). Es erfolgt eine kurze Politur, um nicht ausgehärtet Reste des Versieglers zu entfernen. Danach wird der Zusammenbiss kontrolliert und ggf. überschüssiges Versiegelungsmaterial mit feinen Bohrern „wegpoliert“.

5. Fluoridierung

Der Zahn word fluoridiert, um die angeätzten , aber nicht versiegelten Bereiche zu remineralisieren.

6. Wichtig : Nachkontrolle

Eine Fissurenversiegelung sollte 4-6 Monate nach der Behandlung kontrolliert werden, da sich evtl. Beschädigungen meist in diesem Zeitraum zeigen. In solchen Fällen kann problemlos nachversiegelt werden.

Die Behandlung

Die Fissurenversiegelung ist im Vergleich zum Legen einer Füllung ein weniger zeitintensives Procedere. Die Behandlung dauert in der Regel nur wenige Minuten und ist normalerweise schmerzfrei.

Wann kann nicht versiegelt werden?

 Während der Behandlung muss der Zahn  für kurze Zeit trockengelegt werden. Ist eine Trockenlegung der Fissur nicht möglich (Kinder: unvollständige durchgebrochene Zähne, mangelnde Mitarbeit), muss auf die Versiegelung verzichtet werden.

Risiken & Nebenwirkungen

Nebenwirkungen sind extrem selten. Weltweit wurden nur wenige ernsthafte Fälle beschreiben (Allergien gegen das Versiegelermaterial).

Mundhygiene bleibt wichtig!

Die Fissurenversiegelung beseitigt einige, aber nicht alle Angriffspunkte für die Karies. Sie ersetzt daher nicht die tägliche Zahnreinigung! Auch die regelmäßige Kontrolluntersuchung ist wichtig, um frühzeitig Schäden an der Versiegelung zu erkennen unf ggf. die Fissur nachzuversiegeln.

Die Wirksamkeit der Fissurenversiegelung ist wissenschaftlich belegt.

Die Fissurenversiegelung ist seit langem eine bewährte Methode oder Kariesvorbeugung. Der kariesschutz Effekt ist  wissenschaftlich belegt: „Bis zu 90% aller versiegelten Molaren (Backenzähne) lassen sich vor einem kariösen Befall schützen. Seit die Fissurenversiegelung 1993 Kassenleistung wurde, die ist Zahl der Behandlungen stark angestiegen. Heute haben 71,7%  der 12-jährigen Kinder mindestens einen versiegelten Zahn. Den Erfolg dieser Maßnahme zeigen auch die Daten der aktuellen Deutschen Mundgesundheitsstudie. Bei Kindern ohne Versiegelung waren mit durchschnittlich 1,1 Zähnen fast doppelt so viele Zähne von Karies befallen als bei Kindern mit Versiegelung (0,6 Zähne).

Kosten und Kassenleistung

Die Gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten der Fissurenversiegelung unter folgenden Bedingungen:

  • nur bei 6-17jährigen  Patienten
  • nur an bleibenden Zähnen 6 und 7
  • nur an einer Fläche pro Zahn

Versiegelungen an Milchzähnen und allen anderen bleibenden Zähnen müssen Privat bezahlt werden.