Milchzähne – Was Sie selbst und Ihr Zahnarzt für gesunde Milchzähne tun können.

Gesunde Milchzähne sind wichtig!

Häufig wird die Bedeutung eines gesunden Milchgebisses unterschätzt. Milchzähne seien ja nicht so wichtig, weil sie schon nach einigen Jahren durch die bleibenden Zähne ersetzt werden – so die landläufige Meinung. Aus zahnärztlicher Sicht ist das jedoch falsch. Es gibt gute Gründe, die Pflege der kleinen Zähnchen ernstzunehmen:

Das Milchgebiss

Das Milchgebiss besteht aus 20 Zähnen: pro Kiefer aus 4 Schneidezähnen, 2 Eckzähnen und 4 Milchzähnen. Beim Zahnwechsel wird jeder Milchzahn durch einn bleibenden Zahn ersetzt und es kommen jeweils 6 Mahlzähne (incl. Weisheitszahn) pro Kiefer hinzu.

Milchzähne sind Platzhalter für die bleibenden Zähne. Ein vorzeitiger Milchzahnverlust kann beim Zahnwechsel dazu führen, dass bleibende Zähne „falsch“ durchbrechen und es zu Zahnfehlstellungen kommt. Besonders wichtig ist die Erhaltung des zweiten, hinteren Milchbackenzahns. Dieser Milchzahn wird beim Zahnwechsel erst im Alter zwischen 9-11 Jahren ersetzt, wobei schon ab dem 6. Lebensjahr der erste bleibende Backenzahn hinter dem letzten Milchzahn durchbricht. Fehlt nun der Milchzahn, kann der benachbarte, bleibende Zahn in die Lücke hineinwachsen und es kommt zu Fehlstellungen.

Gesunde und vollzählige Milchzähne sind für die sprachliche Entwicklung wichtig und ermöglichen dem Kind eine deutliche Aussprache. So bringen Experten z.B. das Lispeln in Verbindung mit zu früh verlorenen Milchzähnen.

Auf vernachlässigten Milchzähnen bildet sich schnell Zahnbelag, in dem sich Kariesbakterien vermehren und die später durchbrechenden bleibenden Zähne gefährden können.

Die größte Gefahr für Milchzähne ist die Karies (Zahnfäule)

Sowohl Milchzähne als auch bleibende Zähne in den ersten Jahren nach dem Zahnwechsel haben einen noch nicht ausgereiften Zahnschmelz und damit eine empfindliche Zahnoberfläche. Die größte Gefahr für Milchzähne ist die Karies. Bei fortgeschrittener Karies wird Zahnsubstanz irreparabel zerstört. Der Zahnarzt kann den entstandenen Schaden dann nur noch durch Füllungen begrenzen. Ursache von Karies sind oft Verunreinigungen an den Zähnen (Zahnbeläge – Plaque), in denen sich Kariesbakterien ansiedeln. Diese Bakterien „ernähren“ sich von Nahrungsresten und scheiden säurehaltige Substanzen aus, die dann den Zahn angreifen.

Milchgebiss und bleibende Zähne:

Bereits im ersten Lebensjahr entwickeln sich Anlagen für einige der bleibenden Zähne. Sie wachsen langsam im Kiefer heran, bis sie schließlichab etwa dem 6. Lebensjahr durchbrechen. Der Zahnwechsel beginnt dann oft mit dem ersten bleibenden Backenzahn, der hinter dem letzten Milchzahn durchbricht, ohne dass dieser herausfallen muss.

Um die Milchzähne Ihres Kindes vor Karies zu schützen, haben Sie zunächst einmal alle Mittel selbst in der Hand. Der Eckpfeiler einer wirksamen Kariesvorbeugung sind:

  • Einhalten einiger Ernährungsregeln
  • Gründliche Zahnreinigung
  • Einsatz von Fluoriden
  • Regelmäßige Zahnarztbesuche

Ernährung – Zahnkiller Zucker

Süße Leckereien sind auch für Kariesbakterien eine besondere Delikatesse. Bereits wenige Minuten nach dem Essen von Süßigkeiten wird der darin enthaltene Zucker zu Säure verarbeitet. Der sonst harte Zahnschmelz wird „angeätzt“ und weicher. Das natürliche Mundmilieu des Menschen reagiert jetzt auf solche Angriffe: Mit Hilfe des Speichels werden Säuren neutralisiert und der angegriffene Zahnschmelz remineralisiert (wiederaufgebaut). Dieses natürliche System kommt aber aus dem Gleichgewiht, wenn es oft und langanhaltend mit Zucker belastet wird. Entscheidend ist also nicht, WIEVIEL, sondern WIE OFT Süßigkeiten gegessen werden und WIE LANGE sie auf die Zähne einwirken können. Tipps:

  • Bei Säuglingen Dauernuckeln zuckerhaltiger Getränke aus Saugerflaschen vermeiden (auch Muttermilch enthält Zucker)
  • kein ständiges Naschen zwischendurch
  • keine klebrigen Süßigkeiten
  • keine „Betthupferl“ abends nach dem Zähneputzen (vor allem keine Süßigkeiten und Obstsäfte)

Zahnreinigung

Eine gründliche Zahnreinigung beseitigt Zahnbeläge und schränkt so die Ausbreitung der Kariesbakterien ein. Beginnen Sie bereits nach dem Durchbruch der ersten Zähnchen mit der Zahnreinigung. Benutzen Sie dafür spezielle Kinderzahnbürsten oder Fingerzahnbürsten. In dem Maße, wie sich die motorischen Fähigkeiten Ihres Kindes entwickeln, sollten Sie ihm Schritt für Schritt Zahnputzaufgaben übertragen bis hin zum völlig eigenständigen Zähneputzen. Wichtig dabei ist, dass Ihr Kind ein positives Verhältnis zum Zähneputzen entwickelt und es als normalen Bestandteil seines Lebens begreifen lernt. Tipps:

  • ab dem 2. Geburtstag 2mal täglich Zähneputzen – morgens und abends NACH dem Essen
  • fluoridhaltige Kinderzahnpasta verwenden
  • möglichst 3 Minuten putzen
  • alle 6-8 Wochen Zahnbürste wechseln
  • Lassen Sie sich von Ihrem Zahnarzt zu Putztechniken und Zahnbürsten beraten

Fluoride

Fluoride hemmen die Schädigung des Zahnschmelzes (Demineralisation) nach dem Essen und unterstützen gleichzeitig der Reparatur angegriffener Zahnoberflächen (Remineralisation). Sie werden deshalb gezielt zur Kariesprophylaxe eingesetzt. Neuere wissenschaftliche Erkenntnisse haben gezeigt, dass Fluoride vor allem lokal durch Anreicherung im Mundmilieu (Speichel, Zahnoberflächen) karieshemmend wirken. Deshalb ist gerade das regelmäßige Zähneputzen kariesvorbeugend. Fluoridtabletten werden dagegen nur noch in besonderen Fällen empfohlen.

Tipps:

  • Bis zum 6. Monat sind keine Fluoridierungsmaßnahmen notwendig
  • als Basisprophylaxe fluoridiertes Speisesalz verwenden
  • die ersten Milchzähne 1mal täglich mit einer erbsengroßen Menge fluoridhaltiger Kinderzahnpasta putzen (keine Zahnpasten mit Bonbongeschmack, um keinen Anreiz zum Verschlucken zu geben)
  • ab dem 2. Geburtstag 2mal täglich mit Kinderzahnpasta putzen
  • ab dem Schulalter können Zahnpasten mit höherem Fluoridgehalt verwendet werden
  • Fluoridgele,  -lacke und -wässer nur unter zahnärztlicher Kontrolle anwenden

Regelmäßige Kontrolle beim Zahnarzt

Die ersten Besuche beim Zahnarzt beschränken  sich auf die Kontrolle der Zahnstellung und die Einschätzung und Anwendung von Fluoriden. Sollte doch einmal gebohrt werden müssen, dann machen Sie dem Kind keine falschen Versprechungen. Sätze wie „Es tut gar nicht weh“ sind fehl am Platze. Sagen Sie die Wahrheit und helfen Sie Ihrem Kind, die Unannehmlichkeiten zu meistern. Sparen Sie nicht mit anerkennenden Worten, wenn die Behandlung vorüber ist.

Vorsorgetermine

1. Termin    6.-8. Monat (nach dem Durchbruch der ersten Milchzähne)

2. Termin    16.-18. Monat (nach dem Durchbruch der ersten Milchbackenzähne)

3. Termin    ca. 30. Monat (wenn das Milchgebiss vollständig ausgebildet ist)

Ab dem 30. Monat werden viertel- bis halbjährliche Kontrolltermine empfohlen.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) www.dgzmk.de

Fissuren sind Einkerbungen oder spaltartige Vertiefungen in der Zahnoberfläche, die bei jedem Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt sein können. Bei einem stark zerklüfteten Zahnrelief ist es praktisch unmöglich, die Fissuren vorbeugend mit einem Füllungsmaterial versiegelt werden. Es entsteht eine glatte Zahnoberfläche, die weniger kariesanfällig ist. Leider bezahlen die gesetzlichen Kassen nur Fissurenversiegelungen an bleibenden Zähnen.

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