Implantate – auch etwas für mich?

Implantate – Zahnersatz mit Zukunft

Implantate haben die Versorgung mit Zahnersatz revolutioniert und gelten heute als zahnmedizinischer, funktionelle und ästhetischer Sicht als der Zahnersatz der Zukunft. Keine andere Methode ersetzt einen verloren gegangenen Zahn so naturnah wie ein Implantat – und manchmal noch ein bisschen schöner als zuvor.

„Implantation“ bedeutet – frei Übersetz – „Einpflanzung“. Das Implantat im eigentlichen Sinn, ist meist schraubenförmig und aus Metall. Es wird im Knochen eingepflanzt bzw. verankert. Auf diese „künstliche Zahnwurzel“ wird wie auf einen natürlichen Zahn eine „Krone“ gesetzt, meist aus Keramik, einem zahnfarbenen Material, das dem natürlichen Zahnschmelz sehr nahe kommt.

Besseres Lebensgefühl

Implantatgetragener Zahnersatz hat einen festen Sitz – wie der eigene Zahn. Er wackelt nicht, vermittelt ein sicheres Gefühl, eine natürliche Mimik und ein attraktieves Aussehen und ist selbst für Patienten kaum von den eigenen Zähnen zu unterscheiden. Implantate sind langlebig und schützen Kieferknochen und Gewebe vor natürlichen und unnatürlichen Abbau-Vorgängen. Das Beschleifen von gesunden Nachbarzähnen und der damit einher gehende Verlust von Zahnsubstanz entfällt bei Implantaten.

Wie lange gibt es Implantate schon?

Zähne waren früher Lebenswichtig: Wer nicht mehr kauen konnte, litt Unter- und Mangelernährung. Zahnlosigkeit ging außerdem einher mit dem Verlust von Ansehen und Macht. Verständlich also, dass seit jeher versucht wurde, verlorene Zähne zu ersetzten. Aber lange blieb es ein Traum, sich mit künstlichen Zähnen so sicher fühlen zu können wie mit den eigenen.

Wissenschaftliche Anerkennung

Erst die modernen Implantate brachten die Sicherheit. Mitte des 20. Jahrhunderts gab es erste Versuche, bald auch klinische Erfahrunge. 1982 erkannte die Dachgesellschaft der zahnärztlichen Wissenschaft in Deutschland, die „Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde“ die Implantate als „bewährtes Verfahren“ an. Heute werden allein in Deutschland schätzungsweise mehr als 500.000 Implantate pro Jahr gesetz. Und der Erfolg geht weiter.

Wie kommt das Implantat in den Mund?

Um die häuftigste Befürchtung zuerst zu beantworten: Ohne Schmerzen. Die Behandlung selbst erfolgt unter lokaler Betäubung – mehr ist in aller Regel nicht nötig. Der Eingriff ist vergleichbar mit einer Zahnentfernung, die Wunde heilt im Normalfall binnen weniger Tage.

Und so geht es:

Mit einem kleinen Schnitt wird die Mundschleimhaut geöffnet und der Knochen freigelegt. Dann schafft das Zahnarzt mit einem speziellen Bohrer das genau passende Lager im Knochen. Nach dieser Vorbereitung, wird das Implantat eingesetzt und die Mundschleimhaut meist wieder geschlossen. Nach ca. 3 Monaten ist das Implantat so fest im Knochen verwachsen, dass es belastet werden kann. Während dieser Zeit ermöglicht ein Provisorium das Kauen und Sprechen.

Sobald das Implantat eingeheilt ist, wird – wieder unter lokaler Betäubing – die Mundschleimhaut direkt über dem Implantat geöffnet und ein „Aufbau“ auf das Implantat gebracht, geklebt oder verschraubt. Darauf wird dann – ebenfalls fest verbunden – der Zahnersatz gebracht also die Krone.

Geht es auch schneller?

In den Medien wird heute oft von „Sofortversorgung“ und „Sofortbelastung“ gesprochen. Manchmal können Implantate schon innerhalb weniger Stunden belastet werden – dabei kommt es aber vor allem auf den Patienten an. In den meisten Fällen ist eine unbelastete Einheilung erfolgssicherer.

Wie heilt ein Implantat ein?

Das Implantat ist meist aus Titan oder einer Titanlegierung und wird von den Körperzellen im Knochen fast immer ohne Probleme aufgenommen. Es bildet nach der Einheilung eine feste Einheit mit dem Knochen und ist damit belastbar. Auch Herzschrittmacher und künstliche Gelenke in der Medizin sind übrigens auch Titan.

Die Natur braucht ihr Zeit

Das Einheilen ist ein natürlicher Vorgang, den man nicht beschleunigen kann. Die Bohrung im Kochen wird durch das Implantat verschlosssen, das von Anfang an fest sitzen soll. Durch die ständigen An-und Abbauvorgänge der Körperzellen wird das Implantat im Knochen integriert. Wenn das Implantat sicher eingeheilt ist, kann es belastet und der endgültige Zahnersatz auf dem Implantat befestigt werden.

Immer häuftiger setzt man Implantate kurz nach Zahnentfernungen (verzögerte Sofortimplantation), manchmal auch sofort nach der Zahnentfernung (Sofortimplantation). Wenn solche Implantate auch gleich eine  provisorichen Zahnersatz erhalten, der zwar nicht belastet wird aber schon das Gefühl vermittelt „alle Zähne zu haben“ spricht man von „Sofortversorgung“. Die Belastung des provisorichen Zahnersatzes beim Kauen direkt nach der Implantation wird als „Sofortbelastung“ bezeichnet. Diese Schilderung macht schon deutlich: es müssen ideale Voraussetztungen beim Patienten bestehen, damit eine Sofortversorgung bzw. Sofortbelastung durchgeführt werden kann. Hervorragende Knochenverhältnisse und ein gesundes Zahnbett müssen vorhanden sein. Diese Methode kommt also nur bei sehr wenigen Implantatpatienten in Frage.

Worauf muss ein Patient besonderst achten?

Auf Ruhe und Hygiene.

Um den Einheilprozess nicht zu stören, sollte man in den ersten Tagen,

  • die Implantatstelle nicht belasten, auch nicht durch das Provisorium
  • keine harte Nahrung kauen
  • nicht rauchen
  • und anstrengende körperliche Belastung vermeiden (kein Sport)

Immerhin handelt es sich um eine Operationswunde, die geschont werden muss. In Einzelfällen können weitere Verhaltensregeln notwendig sein, die mit dem Zahnarzt besprochen werden sollten.

Um Infektionen zu vermeiden, sollte man

  • bei der Mundhygiene schonend aber effektiv vorgehen. Anfangs reicht eine -oft antibakterielle- Mundspülung,
  • nach wenigen Tagen vorsichtig mit einer Zahnbürste nachputzen und an der Implantatstelle sanft aber sorgfältig die Beläge entfernen,
  • später wieder ganz normal die elektrische oder Handzahnbürste benutzen – und wirklich nie die Zahnpflege vergessen.

Auch wenn es manchen Patientin verwundert: Der Erfolg jeder Implantation hängt letztlich ab von der Qualität der Mundhygiene und damit der Vermeidung von bakteriellen Infektionen durch Zahnbelag. Individuelle Hygienetipps geben alle prophylaxeorientierten Zahnarztpraxen und selbstverständlich alle Zahnärzte und Implantologen. Für allgemeine Hygieneinformationen gibt es eine spezielle Broschüre des BDIZ EDI.

Wann ist ein Implantat sinnvoll?

Zunächst sollte klar sein: Kein Zahnersatz ist so gut wie eigene Zähne. Deshalb gilt das Interesse von Zahnarzt und Patient vor allem der Gesunderhaltung der natürlichen Zähne. Für viele der althergebrachten Zahnersatz-Lösungen gilt: Je mehr eigene Zähne vorhanden sind, umso komfortabler kann der Zahnersatz dann sein. Das ist bei Implantaten anders: Grundsätzlich kann jeder Zahn, der verloren gegangen ist, durch ein Implantat ersetzt werden, ohne dass Nachbarzähne beschliffen werden müssen. Auch eine Brücke allein auf Implantaten kann mehrere verloren gegangene Zähne ersetzen. Implantate sind so die modernste und variabelste Form von Zahnersatz.

Welche Risiken gibt es?

Manche Krankheiten oder gesundheiltliche Belastungen stellen ein Risiko dar, Beispiele:

  • Diabetes mellitus in besonders schweren Fällen,
  • ständige Einnahme bestimmter Medikamente (z.B. Psychopharmaka, Blutgerinnungsmedikamente, Osteoporosemedikamente u. a.)
  • Strahlungstheraphie an Kopf und Hals,
  • durch Krankheit oder Alter eingeschränkte Fähigkeit zur Mundhygiene.

Auch manches Verhalten ist riskant:

  • Starkes Rauchen
  • übermäßiger Alkoholismus
  • mangelhafte Mundhygiene
  • wenig Gedult

Biologische Vorraussetzungen

Der Kieferknochen muss ausreichend und gesund sein: Reicht die Knochenmenge nicht aus, muss sie aufgebaut werden. Eine bestehende Zahnbettentzündung (Parodontitis) muss vor der Implantation behandelt werden.

Wann ist das Implantat die beste Lösung?

Einzelner Zahn

Das Implantat ist der beinahe perfekte Ersatz eines gezogenen oder eines verloren gegangenen Zahns. Der Verlust wird quasi 1:1 ersetz. Nachbarzähne müssen nicht beschliffen werden, ein Implantat ersetz die sonst notwendige Brücke.

Freiendsituation

Die aus zahnmedizinischer Sicht bestmögliche Lösung ist ein Implantat auch dann, wenn die letzten Zähne am Ende der Zahnreihe fehlen. Implantate werden als Ersatz der verloren gegangenen Zähne gesetzt und als feste Brücke verbunden. Sie verhindern damit Abnutzung am Kieferknochen, Fehlbelastung der natürlichen Zähne bis hin zu Lockerung und Zahnverlust, sowie Reizungen am Zahnfleisch und Erkrankungen am Kiefergelenk.

Welche Vorraussetzungen sind nötig?

Ein sicheres Fundament, spricht ausreichend vorhandener Kieferknochen, ist für ein Implantat wichtig. Im Einzelfall entscheidet der Zahnarzt, ob ein Implantat sofort gesetz werden kann oder ob der Knochen zuvor entsprechend aufgebaut werden muss und kann. Heute gibt es zum Knochenaufbau verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Der Zahnarzt entscheidet mit seinem jeweiligen Patienten, ob und welche Möglichkeiten machbar und sinnvoll sind. Meist kann körpereigener Knochen an geeigneter Stelle entnommen und an den Ort der Implantation transplantiert werden. Als Alternative gibt es sogenannte Knochenersatzmaterialien, die als Ersatz für verloren gegangenen Knochen dienen.

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